WANDLUNG

 

Wandle uns wie Brot und Wein, Herr.

Wandle mein Empfinden, meine Sehnsucht.

Wandle alle Fragen um in Jubel,

der DU bist.

 

Erkennen will ich DICH, Herr,

in Brot und Wein.

Erkennen will ich DICH in meiner Liebe

für den Einen,

in der Liebe,

die DU bist.

 

Willkommen heißen darf ich dich, Herr,

in diesem Menschen,

der DICH sucht und preist,

in dem DU DICH zeigst,

in dem DU zeigst,

WER DU BIST.

 

 

 

MEDITATION

 

Ich schließe meine Augen und spüre mich.

Ich schließe meine Augen und spüre dich.

Ich schließe meine Augen und spüre uns als Einheit.

 

Die Welt versinkt, die Zeit steht still,

ich bin in meiner Tiefe, bin in deiner Weite.

Das Jetzt ist da und nur das Jetzt

und es ist Ewigkeit in dir, in mir.

Du bist in meiner Weite, in deiner Tiefe.

Wir erkennen.

 

Erkennen ist ein Augenblick, der bleibt.

Es ist das Wachsen und das Fließen,

es ist der Berg, auf dem Gott wohnt,

in dem Gott wohnt.

Erkennen ist das Einssein

und das Leersein,

das Nichtsein,

um erst ganz sein zu können.

 

Ich vergehe in dir, weil ich liebe.

Du vergehst in mir, weil du liebst

und da bist

und mich da sein machst,

so ganz bewusst,

da ich das Denken zum Schweigen bringe

in dieser Liebe,

im Jetzt dieser Begegnung.

 

Meditation ist es, sagen die einen.

Erotik ist es sage ich.

Gebet ist es, sagen manche.

Anbetung ist es

oder OM.

 

Es ist.

 

 

 

Schimpfen

 

„Ich muss verzichten!“

schimpfte ich.

Der Herr jedoch sagte:

„Du darfst erkennen,

wie groß die Liebe ist.“

„Ich will nicht so lang warten!“

schimpfte ich.

Der Herr jedoch sprach:

„Du darfst die Zeit mit deiner

Liebe füllen."

„Ich versteh ihn nicht, den Ersehnten,

wenn er vor mir flieht!“

schimpfte ich.

Der Herr lächelte und zeigte hin zu dir.

Und ich sah Licht.

Und ich sah Liebe.

Und ich sah dich,

sah deine Schönheit,

deine Sanftheit,

deine Sehnsucht

und deine Grenzen.

 

Da sank ich hin und weinte.

Ich weinte,

denn  zu kostbar bist du,

um auch nur ein Wort

zu schimpfen.

 

 

Fledermäuse

fliegen leise

und folgen doch dem Schall.

 

Es ist nicht alles so, wie es scheint.

 

Schweigen, ernste Blicke, stilles Warten

wirkt wie Ferne

und kann doch große Nähe sein.

 

Es ist nicht alles so, wie es scheint.

 

Das Haptische erleben wollen,

die Küsse nicht erwarten können

und sie doch nicht zu empfangen,

kann auch ein Beweis der Liebe sein.

 

Es ist nicht alles so, wie es scheint.

 

Wer lehrt mich, klar zu sehen,

das Sein zu erkennen,

statt nur den Schein?

Lehrt es der Blick zum Himmel, zum Altar?

Lehrt es die Stille,

das Eins sein in der Menge

und im Brot?

 

Es ist oft vieles anders, als es scheint.

 

 

 

IRDISCHE GENÜSSE

 

Wie rührend ist es, wenn Menschen sich was Gutes gönnen;

Augen leuchten, Speichelfluss wird angeregt.

Der Mund wird weit geöffnet, schlucken, lächeln.

 

Ich wünsche allen Menschen diese Freuden!

Ich wünsche allen Menschen ewige Freuden!

Denn es macht mich auch so traurig,

wenn da diese Sehnsucht ist

nach Freude, nach Genuss, nach Lebensglück,

und wenn das dann spätestens am Klo

so ganz anders endet,

als es bei Tisch begann.

 

Windhauch, Windhauch

sind all diese Freuden

und ich wünschte,

sie könnten Ewigkeit bedeuten.

 

Ich wünschte,

jeder Bissen Kuchen,

den meine Mutter zu sich nahm,

sei Speise für die Ewigkeit.

Sie hat es so verdient!

Ich wünschte,

der Braten, den ein Übergewichtiger

so voll Genuss verzehrt,

wäre Freude, Liebe,

denn das ist es ja,

was er wirklich braucht,

was wir wirklich brauchen,

was ich wirklich brauche.

 

Ich kaufe mir das Cremedingsda

und verzehre es

und denke dabei an deine Küsse

und denke an den Verzicht auf dich.

 

Und dann kommt einer,

schöner noch als du,

wie unwahrscheinlich, aber wahr,

und er schaut mich an voll Liebe.

Ja, selbst dein Lächeln,

Lieber, Ferner,

kann diesen Blick nicht überbieten.

Und ER tritt auf mich zu

und gibt SICH mir als Nahrung,

als Genuss, der ewig hält,

der die ganze Sehnsucht stillt

und der damit erst deine Liebe

in meine Arme legt,

in mein Herz.

 

 

Überreich bin ich!

 

Wie Schuppen fiel es mir von den Augen,

wie nach reinigendem Regen

ist die Luft nun klar.

 

Wie konnte ich so blind sein?

Wie kann ich jetzt so überdeutlich sehen?

 

„Du wirst alles haben und noch viel mehr“,

sprach Gott zu mir.

 

Und ich wollte kleinlich

nur dies eine Wort,

die eine Süßigkeit.

 

Dann ging ich einen Schritt,

den einen Schritt hinaus ins Licht,

da du mich riefst, Herr.

Nun steh’ ich vor der größten Pracht,

vor Reichtum, Freiheit, Glück.

Und all das schenkst du mir,

mein Heiland,

da du mir Herz und Augen öffnetest.

da ich den Lieben, den Ersehnten

nun verstehe.

 

Ich sehe ihn mit DEINEM Herzen, Gott.

 

Ich sehe das ewige Sein des Geliebten,

 

und das genügt mir für mein Glück. 


 

Nussbaum

 

Ein Nussbaum bist du also

im Garten meines Lebens.

Ich darf die Früchte knacken

und soll niemals vergessen,

dass nur der ganze Baum der Geber ist.

 

Nicht die Frucht allein macht mich so froh,

es ist der ganze Baum,

der meinen Garten Eden ausmacht.

 

Die Wurzeln deines Glaubens sind es,

der Stamm deiner Gemeinschaft,

die Äste deiner Riten, deiner Pflichten,

die Zweige deiner Freuden, deiner Wünsche,

die Blätter deiner Behutsamkeit,

all das bist du.

 

Den ganzen Baum zu lieben

macht die Nuss erst schmackhaft.

 

Ich darf die Flöte schnitzen

aus deinem Zweig,

du Lieber,

darf darauf spielen,

darf tanzen, jauchzen.

 

Du bist mein Nussbaum,

Baum des Lebens

in meinem Paradies.

 

 

 

auf augenhöhe

 

begegnen

auf augenhöhe

gutes empfangen

auf augenhöhe

gutes geben

auf augenhöhe

 

neues erkennen

miteinander

schönes erleben

miteinander

lachen und weinen

miteinander

 

zukunft gestalten

gemeinsam

sich fallen lassen

gemeinsam

ewigkeit schauen

gemeinsam

 

das ist es was ich erwarte

und ich erwarte es nicht mehr mit dir

mein tausendmal lieber

du aber bist es

der mir die augen öffnete

den horizont

um zu erkennen

was zu erwarten ist

 

 

 

lei lafn losn lei kumma losn

 

es fließen lassen

es getrost kommen lassen

es nicht erzwingen

nicht einmal wollen wollen

 

es sich schenken lassen

es dankbar entgegen nehmen

es glücklich integrieren in sein leben

es vielfach weiter geben teilen

 

es glaube nennen

tiefe ewigkeit

es hoffnung nennen

heilung zuversicht

es liebe nennen

einheit frieden

 

 

 

Hinter den Dingen

 

Ich finde die Wahrheit hinter den Dingen.

Der Blumenstrauß, bunt und schön

ist Zeichen von Zuneigung, vielleicht von Liebe.

Die Zeichnung, lustig, unbeschwert,

zeigt das frohe Vertrauen des Kindes.

Eine Note im Zeugnis

zeigt nie den Menschen dahinter.

Sie spricht von Angst, von Enge im Denken.

 

Ich finde die Wahrheit hinter den Worten

und sehe dich verschlossen und offen,

mutig oder verwirrt.

Du bist der Mensch hinter dem Bild

und zeigst dich

verletzlich und zugewandt,

aber auch verborgen, versteckt.

 

Hinter den Dingen

ist die Wahrheit zu finden,

der Schatz im Alltag,

die Schönheit im scheinbar Banalen.

Ein Gruß kann der Schlüssel sein

zu unerwarteter Freude,

ein Lächeln der Zugang

zu Frieden und Glück.

 

Hinter dem Antlitz, dem lieben

sehe ich den Heiland,

hinter den Gesten

ist Ewigkeit.

 

 

Genuss

 

„Mach dir kein Bild von meinen Gaben.

Nimm sie hin, genieße sie.

Forme nicht um,

was ich dir als Ganzheit schenke,

zerpflücke nicht die Blüten meiner Liebe“,

so spricht der Herr.

 

„Verkürze nicht die Liebe

durch Begriffe, die dich binden.

Du spürst die Sonne.

Sie ist so viel mehr,

als ein Wort auf dem Papier,

als gelbe Farbe in Kreisform hingemalt.

 

Sperr nicht die Demut ein,

die deine Liebe weit macht,

die dich sehen lehrt und zu genießen.

 

Genuss ist, wenn man trotzdem liebt.

Und wahrhaft frei ist, wer das erkennt“,

spricht der Herr.

 

Ich selbst würde so nicht  denken.

 

 

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Sich verstecken

 

Manche tun es deutlich.

Sie sprechen wenig,

bleiben im Hintergrund,

sind ziemlich leise, gern allein.

 

Andere tun es viel subtiler.

Sie reden viel und lachen viel,

sie sind oft in Gesellschaft,

fallen auf, sind lustig und beliebt.

 

Am besten verstecken die sich,

die vor sich selbst verborgen bleiben,

die glauben, dass sie da sind,

wo sie scheinen zu sein,

die glauben, dass sie das sind,

was sie vorgeben zu sein.

 

Verstecke schützen oft,

doch nur,

wenn sie als solche erkannt sind. 

Sind sie aber da, ohne bemerkt zu werden,

so werden sie zu Kerkern,

zu Verließen tief verborgen

dort im Keller.

 

Warum verstecken wir uns eigentlich?

Ich bin ich!

Und  jeder soll es sehen.

Du bist du.

Und jeder soll sich daran erfreuen,

denn es ist schön, so wie du bist.

Und es ist schön, so wie ich bin.

 

Warum verstecken wir uns eigentlich,

warum?

Voreinander zumindest, Trauter,

könnten wir uns zeigen.

 

 

Loslassen,

fließen lassen,

frei sein.

 

Den Wind durchziehen lassen

für frische Luft,

für gute Luft,

für einen neuen Geist.

 

Reife Früchte fallen lassen

als Nahrung, als Genuss für andere.

Neue Blüten keimen lassen

als neue Frucht für mich,

langsam sich öffnend,

langsam reifend,

langsam wandernd

hinein in meine Seele.



 

Ein seltenes Privileg

 

Ein seltenes Privileg ist es,

wahre Freundschaft zu erfahren.

Selten und kostbar ist es,

Tiefe zu ergründen im Nächsten,

Verbundenheit zu spüren,

Segen zu erbitten

und auch zu empfangen.

 

Ein seltenes Privileg ist es,

im Austausch so ganz Eins zu sein,

selten und heilsam ist es,

in Blicken alles zu verstehen

und so ewiglich zu bejahen.

 

Ein seltenes Privileg ist es,

zu wissen, dass da ein Herz schlägt,

ganz für dich.

Selten und erhebend ist es,

sich ganz hinzugeben, wegzugeben,

um dadurch erst

ganz bei sich anzukommen.

 



Es schwieg die Nachtigall

 

Es schwieg die Nachtigall,

ich dachte schon, sie sei tot.

Traurig lauschte ich der Stille

vor dem Fenster

und malte mir aus,

was ihr wohl geschehen war.

 

Hatte die Katze sie erwischt,

oder ein Nachbar,

der ihr Lied nicht mochte?

 

Singe wieder, bitte, meine Nachtigall!

Lass durch dein Lied meine Hoffnung,

meine Freude wieder keimen.

 

Es schwieg die Liebessehnsucht,

ich dachte schon, sie sei tot.

Traurig achtete ich auf die Stille

in meinem Herzen

und malte mir aus,

was ihr wohl geschehen war.

 

Hatte sie die Gleichgültigkeit erwischt,

oder die Geschäftigkeit,

die keine Muße hat für Träume?

 

Rühre mich wieder, bitte,

süße Sehnsucht!

Lass durch deine Regung

die Liebe wieder in mir keimen,

die Zärtlichkeit, die Lust

als Sprache meiner Ergebenheit.

 

Dann gab es diese Töne,

kurz nur,

das zarte Singen meiner Nachtigall.

Es war ein Zeichen dafür, dass sie lebte.

 

Wie froh ich bin!

 

Ich habe nun die Kraft zu warten,

die Weisheit,

an die verborgene Liebe zu glauben,

die langsam, langsam hervorkriecht

aus dem Schneckenhaus.



 

Fliehen wollte ich vor deiner Macht, Herr.

Ich suchte im Bereich der Lotosblüte,

suchte bei Magie und Hexenkunst.

Ich suchte sinnlich hier auf Erden,

wollte die Lust zum Gott erheben.

 

Ich wollte nicht erkennen,

wie zärtlich du mir bist

und dachte,

dass du mir die Freiheit nimmst

und irdische Freuden.

 

Nun sehe ich,

du göttlicher Geliebter,

dass alle Lust und jede Freude

in dir nur gründet

und zu dir hinstrebt.

 

DIR begegne ich,

wenn ich hier wahrhaft

wandle, lebe, liebe.

 

 

LLL oder leichter lachen lernen

 

Ich kenne Kinder, die kaum lachen, höchstens lächeln.

Traurig ist das.

Ich lachte oft vor übergroßer Anspannung,

Lachkrämpfe.

 

Humor ist eine gute Sache,

eine wichtige.

Lachen, herzlich, befreiend,

das ist dann doch noch mehr.

 

Ich lache über Wortverdrehungen,

Stilblüten oder Unkonventionelles.

 

Ich freu mich über Kinderlachen,

Freundschaftslachen, Wiedersehenslachen,

über das Lachen der Sieger

und der fröhlich Feiernden.

 

Freiheit ist es, wenn man lachen kann,

Freiheit macht das Lachen, es erzeugt sie.

Ungezwungen frei nur kann man lachen.

 

Schenke uns Lachen, Gott,

schenke uns diese Leichtigkeit und Freude.

  

 

Lasst Berge jauchzen, Steine singen,

lasst Wälder tanzen, Wolken springen!

Die Liebe feiert Hochzeit heute,

sie hat die Sehnsucht überzeugt.

Vermählung gibt es zwischen Schwarz und Weiß

und zwischen oben – unten,

Vermählung gibt es zwischen Tod und Leben.

Die Liebe hat gesiegt und sie gebiert uns

Ewigkeit im Jetzt.



 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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Mit freundlicher

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1140 Wien 

 

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Pfarre Breitensee

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