Du gehörst mir nicht,

ich bin nicht dein Besitz.

Das Ufer brauchst du,

um das Meer zu sehen.

Das Meer, es führt letztendlich

doch an Land.

 

Wolken regnen auf die trockene Erde.

Sie belebt sich

und besitzt die Wolken nicht.

Die Wolken trinken von dem Meer

und trinken es nicht aus.

Nicht das Meer besitzt die Wolken,

die Wolken nicht das Meer.

 

Wenn du mir der Regen bist,

das abgrundtiefe Meer,

so will ich doch –

für diesen Augenblick –

Besitz sein,

Kleinod

in deiner Hand.

 

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Süße Früchte in deinem Garten

locken mich.

Ich beuge mich

und hebe Kostbarkeit um Kostbarkeit.

 

Honigduft in deinem Garten

betäubt mich.

Ich sinke hin

und trinke deine Küsse.

 

Saftiges Grün in deinem Garten

lädt mich ein.

Ich lege mich bereit

und warte auf den Flügelschlag

des großen Vogels.

 

Der Adler,

er besitzt den Gar

Beute bin ich

und Brut in gleicher Weise.

Bebend harre ich deiner Kraft

und berge mich

in deinen Schwingen.

 

…………………………………

 

Ja, mein Freund, schließe die Augen,

gib dich dem Beben hin,

das deiner Lust entlang streift.

Gib dich hin, wenn du benetzt wirst

von tausendfachem Kosen.

 

Breite dich aus, mein schöner Garten,

wenn ich behutsam deine Tore öffne.

Ich senke mich auf dich wie Tau,

ich durchdringe dich

und treibe deinen Keim zum Wachsen.

 

Berge mich, du starkes Haus,

damit ich deine Räume schmücke

und meine Liebe in dich lege.

 

Nimm meine Seele mit zum Höhenflug,

wenn du, Adler,

deine Schwingen breitest.

 

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Ichvoll bist du

In deinem Adlerflug,

ichvoll als starkes Haus,

reich geschmückt als Garten.

 

Ichvoll ist der Fluss der Traurigkeit,

der aus deinen Augen strömt,

der deinen Lippen

Tag und Nacht verleiht.

 

Ichvoll beugst du dich über mich.

Du zwingst mich, mich zu finden,

um deinem starken Ich

ein Du zu sein.

 

…………………………………..

 

Seelentränen tropfen nieder

auf deinen Tag.

Du sammelst sie,

du gestaltest sie

zu einem wundersamen Wein.

Trunken macht der Wein,

er lähmt dein Handeln

und treibt dich doch ruhelos umher.

 

Seelentränen tropfen nieder

auf deine Lust.

Du sammelst sie,

du gestaltest sie

zu einem wundersamen Wein.

Bitter und süß zugleich

schmeckt nun die Lust.

Du hängst ihr nach

und fliehst sie gleichermaßen.

 

Seelentränen tropfen nieder

von deinem Sein

hernieder auf mein Herz.

Ich sammle sie,

ich gestalte sie

zu einem wundersamen Wein.

Er macht mich trunken.

Ich sinke dir zu Füßen

und trinke dich

und ströme über dich!

 

Zwei Becher stehen da,

ein Krug mit Wein.

 

………………………………….

 

Es ist mir nicht das Laub genommen

als Baum,

da du nicht bei mir bist,

doch freue ich mich auf dich,

wie auf den sanften Sommerregen.

 

Mein Land ist nicht beraubt

der Wiesen, Täler, Flüsse, Berge,

wenn du nicht bei mir bist,

doch sonnelos

und sehnsuchtsschwer.

 

Sei du mir Regen,

sei mir Sonne,

sei Wind und Vogelflug.

Ich danke es

mit Blüten

meines Lächelns,

meiner Tiefe.

 

…………………………………….

 

Dein Hirtenstab,

er lässt sich kaufen, lässt sich borgen.

Austauschbar ist deine Kraft

und deine Weide

der Freude und der Lust.

 

Selbst dein Händedruck,

er lässt sich wiederholen,

durch andere starke Hände,

sanfte Hände.

 

Was du mir gibst,

das kann ich finden

tausendfach auf jedem Weg.

Ich kann es finden

in jedem Lächeln, jeder Geste

unserer Brüder.

 

Einzig ist allein dein Herz,

das sich mir zeigt in Blicken,

in deiner tiefsten Offenheit.

 

Wirst du mich

dieses Herz betrachten lassen?

Wirst du es mir verschließen?

 

Werde ich als Du dein Ich erkennen?

Wird es vor meiner Freundschaft fliehen,

wie vor einem Feind?

 

……………………………………

 

Von Leere wirst du eingeholt,

Leere zieht vorüber.

Sie begegnet dir

mit freundschaftlichem Blick,

mit schönem Haar und langen Beinen.

An deiner Seite liegt sie

und schenkt dir

luftige Zärtlichkeitshülsen.

Leere wiegt dich in den Schlaf

und betäubt dein Denken.

 

Du entkommst ihr nicht,

sie holt dich immer wieder ein,

bis du dich hingibst,

dich ihr ergibst.

Sobald sie Herrin sein kann, Siegerin,

lässt sie endlich von dir ab.

Wie Nebel hebt sie sich,

wie Morgentau entschwindet sie.

 

Du liegst erschöpft, liegst brach

und harrst der Sonnenstrahlen,

der Schmetterlinge.

Schwalben ziehen über dich hinweg,

du blickst ihnen nach.

 

Du breitest deine Schwingen,

langsam, sachte

und hebst dich empor,

dem Licht entgegen,

hin in ungesehene Weiten,

heimatfern und endlos nah.

 

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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