Hände.

Hände zum Erkennen deiner Welten.

Hände zum Anfassen,

da, sie zu küssen,

sie zu streicheln

und ihr Streicheln

zu ersehnen.

 

Hände,

die sich nicht gern öffnen,

die das Labyrinth der Seele

in sich bergen.

Hände,

die das Suchen kennen.

 

Hände,

die mein Gesicht

ganz zart berühren.

Hände,

die mir damit

alles geben.

 

………………………………

 

Ich hab dich lieb gewonnen,

so ganz langsam,

fast unmerklich.

 

Du hast mich ganz ergriffen,

ohne dich zu nähern wissentlich.

 

So sind wir Schritt für Schritt

Einander nah’ gekommen,

wie im Finstern,

ohne Zagen.

 

Und als wir aufeinander trafen,

da war bereits ein jeder

Teil des anderen.

 

………………………………………

 

Die erste Begegnung:

Vorausahnend erspähten dich

meine Gedanken.

Nachspürend betasteten dich

meine Gefühle.

 

Nun,

ich muss erkennen,

dass wir einander

längst begegnet waren

in jenen Ewigkeiten.

 

……………………………..

 

Es ist Frühling.

Es ist mild und frisch.

Leben keimt,

Leben macht sich hörbar.

 

Das ist nicht mein Zuhause,

das ist nicht Nebel,

Kühle, Feuchtigkeit.

 

Es ist so neu,

und ich bin hingestreut

in stiller Wonne.

 

Dich liebe ich

und kann dich doch nicht fassen,

nicht begreifen.

 

………………………..

 

Der Tag ist grau.

blau sind die Erinnerungen,

hell und bunt.

Doch fern ist diese Helle,

um mich nur Nebel, Feuchtigkeit.

 

Wo bist du,

mit den sanften Augen?

 

……………………………

 

Staunend stehe ich vor dir.

Ich erblicke schwarze Tiefe,

die so schön ist,

wie die sternenklare Nacht,

wie ein stiller Bergsee,

wie das Ebenholz.

 

Deine Augen aber leuchten,

klar wie Bergkristall –

herrlich ist die Landschaft

deiner Seele!

 

Doch ich stehe davor.

Ich kann die Blumen nicht

in deine Erde pflanzen.

Werden sie verwelken?

 

Ich möchte mich nicht wenden –

So hebe ich die Augen

Und bete:

Effata!

 

……………………………………

 

Jetzt sind wir nicht mehr fern und fremd.

Ein Zuhause bist du mir,

und ich bin dir die Schwalbe,

die täglich kommt ans Dach, ans Fenster.

 

Wenn aber dann der Sommer aus ist,

wirst du mir nicht mehr Heimat sein

und ich dich nicht mehr suchen?

 

Du wirst es sehen,

als Schneeflocke,

als Eisblume

glänze ich dann für dich.

 

Du wirst ausziehen,

mich zu suchen

und wirst mich finden,

als edlen Reif

an Rosenblättern.

 

Komm und schmilz mich!

Komm und beheimate mich wieder!

 

……………………………………..

 

Ich öffne meine Arme

und empfange dich.

Als Kind magst du dich in mir bergen,

als Freund magst du Trost und Geborgenheit

in der Umarmung trinken.

Als Mann empfange meine Zärtlichkeit

und schenke dich mir ganz.

Als Vater bist du es,

der mich beschützt und stärkt.

Als weiser Alter

lass dich von mir verehren.

 

So bist du mir alles

und ich dein Spiegelbild:

Empfangend gibst du

und gebend nur

kannst du empfangen.

 

Komm also in mich,

werde frei dadurch

und zaudre nicht.

 

……………………………..

 

Ich dachte wohl,

du demütigst mich

und ich ertrug es,

weiß nicht warum.

 

Ich wollte bitter sein

und wollte dich fliehen,

doch kam ich näher;

weiß nicht warum.

 

Niemals wollte ich dir unterliegen,

nie meinen Stolz verlieren

 

und nun

 

bin ich dir ganz ergeben

und liege dir zu Füßen

in höchstem Glück.

 

…………………………….

 

Ich steige ins Wasser.

Die Kühle empfängt mich;

frisch und fei bin ich jetzt.

 

Ich entsteige dem Wasser.

Die Sonne umhüllt mich;

glitzernde Perlen bedecken die Haut.

 

Du bist mir Frische und Freiheit,

deine Küsse die Perlen,

deine Nähe die Sonne,

die mich erwärmt

und hervorlockt

aus dunklen Verstecken.

 

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Ich lag am Boden,

du warst nicht fern.

Wildes Brausen gewaltiger Melodien

Hüllte uns ein.

Wir ruhten darin.

 

Da!

Mein gellender Schrei

in Panik und Angst,

doch du warst ganz ruhig,

du blicktest erstaunt.

 

Mich schaudert

vor dem Bruchteil jener Sekunde,

da mir war,

als gäbe es dich nicht.

 

………………………………….

 

Lange Gänge, stille Räume,

Tischtuch, Blumen, Fensterläden.

 

Das Lächeln deiner Augen,

deine Nähe

sind mir Frieden.

 

Komm wieder,

der du fern bist,

und lass mich in dir wohnen,

wenn du gehst.

 

…………………………………

 

Und ist es dein Auge,

so sehe ich Ewigkeit,

ist es dein Lächeln,

lächelt mir Seligkeit.

 

Ich öffne den Griff

und lasse dich gehen,

kaum warst du gekommen.

 

Doch du warst da.

Du bist!

Für jetzt und immer

du!

 

…………………………..

 

Was du mir sagst

mit deinen Augen,

was du mir anvertraust

mit deinem Streicheln,

was du mir hingibst

in deiner Umarmung –

es ist mein Leben,

mein Neuerwachen.

 

…………………

 

Du bist

stark und mächtig,

mich zu halten,

mich zu schützen.

 

Du bist

Weich und nachgiebig,

mich zu verstehen,

dich an mich zu schmiegen.

 

Du warst meine Stütze,

nun bist du mein Haus,

bist mir Heimat

und Weite

zugleich.

 

………………………………….

 

War ich halb

oder viertelt?

War ich überhaupt,

da ich jetzt erst

wahrhaft BIN –

durch dich?

 

………………………………….

 

Verspielte Jugend

strahlt aus deinen Augen.

Trauer und Weisheit

zeichnet dein Mund.

 

Deine Finger streicheln

Eiskristalle von meinen Brauen,

leise tauen Küsse

meinen stummen,

tot geglaubten Teich.

 

Säuseln des Frühlings bist du

auf meiner Winterlandschaft,

Gärtner bist du

in meiner Burgruine.

 

…………………………………..

 

Wie traulich mir die Sehnsucht ist!

So sehr lebst du in mir,

dass Entfernung

uns längst nicht mehr trennen kann.

 

…………………………………………

 

Du hast mir Liebe

in die Hand gegeben,

hast mir dein Kommen

dargeboten.

 

Nun liege ich in Fesseln

meiner Sehnsucht.

Luftgespinste

sind die Schlingen,

die mich halten,

denn auf Flügeln

der Gedanken

werde ich hinweg gehoben,

von deinem Namen

angelockt.

 

………………………….

 

Endlich niedersinken!

Endlich knien!

Endlich hingebeugt,

der Liebe

alle Macht gegeben!

 

…………………………………..

 

Nun ist die Sonne aufgegangen.

Der Nebel hebt sich

und verschwindet.

 

Du breitest deine Arme aus

und nimmst mich auf

in den Tag

deiner Liebe.

 

Meine Nacht

hat ein Ende gefunden,

und die folgende

wird keine einsame

mehr sein.

 

………………………………..

 

Kein Wort ist nötig,

wenn du mich in deine Arme schließt.

Wir sprechen eine andere Sprache,

die viel mehr sagt,

als unser Mund vermag.

 

Es spricht in uns

in hoher Eloquenz

der Seelenkörper.

 

……………………………

 

EIN TRAUM

 

Ich lief und wollte dich finden.

Verstrickt war ich in Urwaldgestrüpp.

Auch du wolltest mich finden

und riefst nach mir

und eiltest durch das dunkle Dickicht.

 

Da sah ich dich und war so froh,

doch unachtsam

und fiel in eine tiefe Grube.

Da war es warm.

Geborgenheit umhüllte mich.

 

Ich sprach deinen Namen aus.

Du kamst und wolltest mich befreien.

Aber wer befreit da wen?

An dem Ast, den du mir reichtest,

kletterte ich hinauf

und du herab.

Und wir fanden einander

tief beglückt.

 

…………………………….

 

EROS

 

Ich liege an deiner Seite,

du wendest dich mir zu

und all die Zärtlichkeit

ist nun in deiner Hand.

 

Deine Augen

holen mich hinein

In Tiefen deiner selbst,

dabei geben sie

dein ganzes Sein

in meine Seele.

 

Bekenntnisreich

Finden wir einander

in den Augen.

Sie sprechen

wie die Hände,

wie die Haut,

wie unser innigstes Verlangen

und sagen,

was es an Ewigkeit bedeutet,

wenn wir versinken

in diesem Sog

des Sehnens.

 

…………………………….

 

ein

tauchen

in deine liebe

Sinken

tauchen

versinken

in deine wärme

eintreten

ein

hinein

darin

bleiben

dürfen

bleiben

bleiben

dürfen

in

dich

eintreten

 

………………..

 

Der

Endpunkt

Ist

Der

Anfang

Einer

Großen

Stille

Der

Wir

Alle

Sehnend

Entgegengehen

 

.

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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