Gespenster sind nicht zu erwarten

Hier in der lauten Stadt.

Auch der starke Klushund

wagt sich nicht in dieses Getümmel.

 

Ich sitze bürgerlich

im Zimmer.

Frösteln kriecht herein.

Es nimmt von mir Besitz.

 

Ganz fern höre ich

den Klushund heulen.

Willenlos

und doch voll Verlangen

strebt mein Denken

dem mächtigen Rüden entgegen.

 

Es strebt in die kalte Nacht,

dem Heulen zu,

dem Bellen und Scharren.

 

An seinen Rücken geschmiegt

stiebe ich durch die Luft.

 

…………………………..

 

Hunde streunen ums Haus.

Sie lauern vor den Fenstern.

Sie lauern draußen

im Kalten, im Schnee.

 

Es heulen die Hunde

in der Vollmondnacht.

Zitternd vor Ungeduld

laufen sie rings um Haus.

 

Gespenstisch hell

ist die Vollmondnacht,

kalt und dunkel ist es im Haus.

 

Ich öffne die Tür

und lasse die Hunde herein.

 

………………………………….

 

Schaurig kam zu mir ein Wesen.

Hinter dem Vorhang

schlich es sich herein.

Es umkreiste mein Bett

und blöde grinsend

schielte es zu mir.

 

Ich erschrak nicht,

ich schauderte nicht.

Mit hohlem Gemüt

blicke ich das Wesen an.

 

Es hockt im Eck

 

und starrt mich an

und starrt mich an.

 

……………………………..

 

Allein stand ich im Nebelland.

Stille Schatten gingen langsam

um mich herum, an mir vorbei.

Sie nahmen mich nicht wahr

und sahen nicht einander an.

Allein war ich im Nebelland.

 

Ich sah ein Licht,

das Strahlen deiner Augen.

Da glaubte ich an Zweisamkeit,

glaubte an die Sonne,

daran, dass sich der Nebel auflöst.

 

Der Nebel hüllte uns

in seine Traulichkeit.

Er hüllt uns als Einheit

In seine Stille.

Er hüllt zwei Einsame

in seine Stummheit.

 

…………………………….

 

Wie austauschbar ihr seid,

Männer ohne Schutzgeist,

Männer ohne Hilferuf!

 

Gegenstände seid ihr,

Statuen,

wenn ihr nicht um die Hilfe ruft,

die aus euren leeren Augen schreit.

 

Zerstörer seid ihr,

keine Menschen,

wenn ihr euch nicht

dem Schutzgeist beugt,

der euch zur Ganzheit formt,

zur einheitlichen Fühlbarkeit,

zum Schauen und Erfassen.

 

Austauschbar seid ihr

und hilflos arm,

so arm,

Männer ohne Schutzgeist,

Männer ohne Hilferuf.

 

……………………………..

 

Leute sind es die ich sehe,

Menschen aber,

denen ich begegnen möchte.

 

Manchmal kommt es vor,

dass Leute mir

zu Menschen werden.

Sie kehren dann nicht mehr

zu ihrem Leutesein zurück.

Schlimmstenfalls vergessen sie

ihr Menschsein

und werden zu Seelenlosen,

zu Statisten

mit dem Geruch des Tötens.

 

………………………………

 

Gibt es denn normale Menschen?

Ich meine solche,

die klar erblicken was sie sehen,

die wirklich sagen,

was sie meinen,

die sich gern erträumen,

was sie wünschen.

 

Die ich kenne,

schütteln den Kopf

über mein trübes Erscheinen,

denn schielend blicken sie auf mich.

 

Sie sagen was sie nicht meinen

und hoffen,

dass ich dennoch all das erfülle,

was sie nie ans Licht des Wissens

holen würden

in ihrer eitlen Bescheidenheit.

Sie wünschen mich gefesselt

und geknebelt.

Sie wünschen mich als Spieldose

für ihre blinden Zwecke.

 

Träume nennen sie die Krankheit

unserer Zeit

und bleiben angekettet

in ihrem finsteren Kellergrab.

 

……………………………..

 

ein o

wie tod

wie mord

wie holen

wo sie sich versteckt

 

ein o

wie folter

wie verloren

so wie ohnmacht

und wie hohn

 

schaff ab das o

so kommt das ö

das u

das i

und immer neue lügen

und immer neu der hass

 

…………………………

 

Wenn du mich findest

als verwelkte Blume,

 

wenn du mich findest

als Aas auf jener Wiese,

 

wenn du mich findest,

unlebendig -

 

wirst du es verstehen?

 

LEISE

schreie ich dich an:

 

finde mich!

 

……………………….

 

Wir haben einander gesucht

im Dickicht der Normen.

Wir haben einander gesucht

im Dunkel der Schwermut.

Wir haben einander gesucht

im Schwirren der Hektik.

 

Wir haben einander gefunden

im Brachland der Freiheit.

 

………………………….

 

Nimm mich in deine Arme

und lass mich mein Leichendasein

noch einmal spüren.

 

Die Tränen

werden mich vielleicht noch tauen

oder vielleicht

endgültig verwesen.

 

……………………………….

 

Ist es Flucht,

die Ruhe, die ich suche?

Werde ich aufgenommen

als Emigrant

bei dir?

 

Ist dieses zarte Licht

die Kerze schon an meinem Grab

oder Advent,

die Ankunft neuen Lebens?

 

…………………………

 

Wie gut ist es,

so dumm zu sein!

Ich gehe den Weg

und kenne ihn nicht.

Leer wäre es –

doch so bequem! –

wenn auch Empfinden

schweigen könnte.

 

……………………………….

 

SCHON WIEDER FRÜHLING

 

Schon wieder ist es Frühling,

mir zum Hohn.

Schon wieder erwacht Leben,

meiner Verbannung zum Spott.

Schon wieder diese Sonne,

die meine Kühle doch nicht wärmt.

 

Ich schaue zu

und bleibe draußen.

Unbemerkt

und ohne Regung

will ich ruhen.

 

…………………………….

 

DIE RUINE

 

Stattliches Gemäuer,

stolzer Bau.

Du kündest deutlich

von Vergänglichkeit.

 

Einst bargst du Leben,

Liebe, Hoffnung.

Nun bist du leer,

fällst langsam ein,

verschwindest ganz.

 

Warum ist es traurig

dich zu sehen?

Warum schweigst du nicht,

du stille Stätte?

 

………………………………..

 

Ich wollte schlafen,

doch meine Augen waren zu müde.

Ich wollte essen,

doch der Hunger war zu groß.

Ich wollte trinken,

der Durst jedoch hielt mich ab.

 

Da wollte ich lieben

und war schon zu klug.

So wollte ich sterben

und auch das

gelingt mir nur

lebend.

 

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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