Mond, du hast mir zugelächelt,

gegrüßt hast du mich

mit deinem kühlen Licht,

hast mir dein Wesen offenbart

und mir gesagt,

es sei nur Schein,

was ich nun leide.

 

Doch ich war schon zu tief gebeugt,

um deinem weißen Licht zu lauschen.

 

Mit müden Schritten ging ich weiter

auf dunklem, staubigem Weg.

 

………………………………….

 

Ohnmächtig stehe ich am Abgrund

unserer Zweisamkeit.

Die Trümmer unserer Gespräche

liegen brach hinter mir.

Zerstört ist jeder Steg.

 

Wer sprach einst

von Hoffnung?

 

…………………………..

 

„Warum sprichst du so oft vom Tod?“

Wolltest du einmal von mir wissen.

 

Nun weißt du es,

da du das leise Liebeskeimen,

das – o Wunder! –

aus meinem Grabe spross,

verkanntest.

 

…………………………….

 

Schon bist du mir ganz fremd und fern.

Schon ist es eine andere als ich,

die sich an helle Blicke

liebevoller Zärtlichkeit erinnert.

 

Schon ist jenes Ich,

das dich in Feuer zu sich sehnte,

so fremd für mich,

wie deine Züge,

deine Augen,

wie dein Gruß.

 

……………………………………….

 

So begleitest du mich also nicht,

wenn ich durch Dickicht wandere,

wenn sich im Mittagsdunst

Spinnweben um mein Gesicht spannen

und um meine Hände.

 

Die Sonnenwege willst du mit mir gehen.

Ich will das auch!

Den kalten Schatten, das Gestrüpp,

willst du mit mir meiden –

das will ich auch.

 

Doch ein männlicher Freund

auf Sommerwiesen

und ein rohes Ei

auf glitschigen Gebirgspfaden

sind zwei sehr verschiedene Dinge.

 

Wie hatte ich gehofft,

dich auf allen Wegen

als Freund betrachten zu dürfen.

 

………………………………………

 

Ich kann es mir nicht vorstellen,

dass mich ein Wort von dir

noch zu öffnen vermag.

 

Ich kann es mir nicht vorstellen,

dass mich dein Kuss

noch zu tauen vermag.

 

Zu Stein bin ich geworden,

zu eisigem, zu grauem Stein.

So hattest du mich abgeholt,

so hast du mich wieder

auf meinen Platz gestellt.

 

Ein kurzer Traum nur

war die Schwerelosigkeit

der Liebesahnung.

 

……………………………

 

Mir ist kalt.

Als Kadaver spürt man nicht

den kühlen Tau,

den Frost.

 

Doch du hast mich geweckt,

mein ferner Freund.

Ich bin allein

und mir ist kalt.

 

……………………………………..

 

Welch kurzer Zauber

war mir doch das Lächeln

einer schönen Seele!

Es hat vielleicht nicht mir gegolten,

da es so rasch zerrann.

 

War es dumm von mir,

oder einfach unbeschwert,

dass ich mich diesem Lächeln

ganz ohne Schranken hingab?

 

Je unbeschwerter ich es tat,

desto schwerer drückt nun Trauer

meine Schultern nieder.

 

………………………………………

 

„Gib dich hin!“ sagst du, „sei locker!“

und verlangst die Anspannung von mir,

das rohe Ei,

mit der Schale wie aus Seifenblasen,

lässig auf der Nase zu balancieren.

 

„Mach dich frei und stille mein Verlangen,

es ist ja doch so schön!“

sagst du und erwartest

rund um die Uhr Geborgenheit;

mütterlich soll ich dir sein

und doch ganz frei,

ganz unbeschwert.

 

„Schau mit mir die Schwärze meiner Nacht!“

bitte ich dich

und biete dir als Sterne

nur ein paar Kieselsteine.

Wenn der Mond scheint,

werden auch sie dir leuchten.

 

…………………………………………..

 

Ich sage: „Du bist mir Sonne!“

Und sage: „Ich sehe Nacht in mir“.

„Warum bin ich dir Nacht?“ fragst du.

 

Ich sage:

„Wie behutsam du meine Knospen öffnest!

Endlich werde ich blühen!“

„Warum verschließt du dich so sehr vor mir?“

fragst du.

 

„Mein Verlangen nach dir ist groß!

Es belebt mich so sehr!

Ich will dich sehen, sobald ich kann!“

so sage ich.

„Warum sprichst du fordernd,

sprichst so dogmatisch zu mir?“

fragst du.

 

Hast du verstanden, was ich sagte?“

 

…………………………………

 

Allein über einsame Felder zu streifen

im November,

im ewigen beruhigenden November,

danach verlangt mich,

das ist nun meine Sehnsucht,

da deine Sonne mich zu sehr

verbrannt hat.

 

……………………………………….

 

An einem Fenster

ging ich in Hast vorbei

und hörte feine Musik.

 

Ganz kurz zauderte ich

und genoss vielleicht sogar.

 

Das war alles.

 

Nicht mehr

ist mir die Erinnerung

an dich.

Nicht mehr

darf sie mir sein.

 

…………………………………

 

So geh denn hin

und suche eifrig,

unter vielen Mühen,

was du jetzt verlässt –

 

und noch nicht

gefunden hast.

 

……………………….

 

Dein Sehnen konnte ich nicht erkennen,

noch dein Rufen.

Ich konnte deine Zärtlichkeit nicht deuten.

Fast scheint es mir,

alles nur geträumt,

erdacht zu haben.

 

Nicht einmal eine Seifenblase warst du,

nicht einmal der leichte Windhauch,

sondern der flüchtige Gedanke nur

im Vorübergehen.

 

………………………………….

 

Du tust dir leid,

findest mich ungehörig?

 

Ja, du hast Recht,

es ist nicht sittsam,

jemanden aus der Mittelmäßigkeit

in die Weite

von stillen Ebenen zu holen.

 

Es ist nicht ratsam,

Feigheit

mit Tiefe zu verwechseln.

 

…………………………………..

 

Ich habe dich nicht verstanden,

noch du mich.

Zart streiften unsere Finger aneinander,

das war alles.

 

Warum also

tut der Abschied weh?

 

……………………………………

 

meine tür

ist verriegelt

denn

mein mund

ist es

 

mein gefühl

Ist erloschen

denn

deine augen

erstarrten es

zu eis

 

………………………………

 

Deinen Namen

hast du mir ins Herz geschrieben,

um ihn dann mit deinem Fuß

zu zertreten,

um mein Herz

zu zertreten.

 

……………………………

 

Aufatmend wende ich mich

und schreite munter aus

auf meinen Nebelwegen,

die da still warten,

mir zum Trost.

 

Du wirst mir wohl nicht fehlen,

nicht mehr jedenfalls,

als jener Sonnenstrahl,

der mir den fauligen Tümpel

zeigte im Licht.

Insekten tanzten unruhig darüber,

tanzten anders,

als die Nebelschleier,

die mich behutsam

in ihre Kühle hüllen.

 

……………………………………

 

Du hast mich aus der Gruft geholt,

um mich von neuem zu begraben.

 

Mit kühler Erde

bedeckst du meine reglosen,

toten Glieder.

 

Erwärmen konntest du sie nicht,

jedoch spüre ich jetzt schon

Rosen sprießen

auf meinem Grab.

 

……………………………………

 

„Renais Poéte!“

Raunt mir die Muse zu

Und berührt mich ganz behutsam,

zärtlich.

 

Nicht verlassen bin ich

trotz deiner harten Worte.

Entlassen bin ich

In die Freiheit

meiner Fantasie,

in die Tiefe

meiner Träume.

…………………

 

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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