Der Tropfen Blut

(für Monika Harrer)

 

Der Tropfen Blut wurde mir geschenkt,

das hübsche rote Steinchen aus Glas,

gedacht als Tischschmuck

zum „Tag der Fahne“,

zum Tag des Gedenkens aller Opfer,

aller Blutenden für dieses Land.

 

Der Tropfen Blut schaut lieb zu mir her

und zwinkert mir zu,

so rot wie Herzblut für Verliebte,

doch auch so rot wie Blut all jener,

die Opfer sind von Gewalt und Terror.

 

Der Tropfen Blut spricht mir von jenem,

der stumm erduldet,

der leidet für uns und sich opfert,

weil seine Liebe zu uns in ihm fließt

in jedem Tropfen seines Blutes,

in jedem Herzschlag,

jedem Atemzug,

den er für uns gelebt hier in der Welt.

 

Mit jedem Tropfen schenkt er uns Erlösung,

mit jedem Tropfen fließt Vergebung

und damit Hoffnung,

damit Liebe,

damit Ewigkeit.

 


 

Tischtennis geht nur

ping-pong, ping-pong...

 

Gehen geht nur

links, rechts, links, rechts...

 

Atmen geht nur

ein – aus, ein – aus...

 

Austausch geht nur

du ich, ich du...

 

Küssen geht nur

Mund zu Mund,

gewollt von beiden.

 

Lieben geht nur

du zu mir, ich zu dir,

wir als ein Weg

mit viel Landschaft.

 

 

Der Strich

 

Mir begegnete neulich ein Strich,

der sich elegant vor mir verneigte.

Er gab vor, mehr zu sein, als ein Punkt.

Da wollte ich ihn umarmen,

doch er wich mir aus.

 

Ein Punkt rief nach mir

und warf dem Strich den Ball zu.

So entstand die Fläche,

vor der ich tanzte und mich spiegelte

in dieser Scheinwelt.

 

Als die Fläche mir zulächelte,

wurde ich Teil von ihr.

So entstand der Körper.

 

Wir sind Körper miteinander,

ein Quader, in dem viel Platz hat

und der schön klingt,

wenn er hohl ist.

Dann haben nämlich Schwingungen Platz

in uns.

 

Und eigentlich war aller Anfang der Punkt.

So allein war er wirklich nur ein Punkt.

 

 

Hoffmann

 

Was hab ich ihn belächelt,

Hoffmann mit seinen drei Frauen

und mit Stella, die er verlor in Trunkenheit.

 

Verblendet von Olympia, wie dumm!

Betört von Giulietta, wie armselig!

Voll Trauer um Antonia – nachvollziehbar.

 

Ich schaue mich an

und sehe mich als Hoffmann

mit drei Männern und mit dem einzigen

letztendlich:

 

Der Rauchfangkehrer in der Schneekugel

kann mir nicht begegnen.

Der Verlockende, der doch nur spielt,

will mir nicht begegnen.

 

Antonia ist Hannes, Jens, ist Karin, Sylvia, Mark;

weit weg von mir.

 

Und Stella:

 

Tanzender auf Dornen,

Hoffender und Edler,

der mir den Schlüssel überlässt,

den Schlüssel für das Herz.

 

Niemand fängt den Schlüssel ab.

Ich habe ihn nun in der Hand.

 

Stella,

ich tanze mit dir.


 

 

Ich atmete ein und atmete aus,

immer wieder im gleichen Rhythmus.

Der Atem kam und ging von selbst

als Geschenk des Lebens,

als Spur, der ich folgen musste.

Auch der Zug folgt nur den Gleisen.

 

Dann sah ich dich

hoch oben als Stern am Himmel. 

Ich hielt den Atem an und stieg auf.

Leicht wie der Luftballon stieg ich auf zu dir.

 

Wir standen einander gegenüber,

zwei kleine helle Punkte nur

von der Erde aus betrachtet.

 

Als wir uns fanden,

als wir eins wurden in Liebe und Lust,

erstrahlten wir hell wie Sonnen.

 

Nun sind wir Fixsterne

und sind das Leuchten

im Licht der Liebe



 

 

Alles ist ruhig, alles entspannt,

Licht darf strahlen ohne zu blenden.

Licht enthüllt nicht die Blöße,

Licht bleibt klar in erkennbaren Grenzen;

Ewigkeit im Irdischen.

 

Gemeinschaft tanzt leichtfüßig,

Augen blicken sanft, wärmend, vertrauend.

 

Licht umkleidete Seiten des Glaubens,

Licht auf dem Weg.

Ruhig das Lächeln,

Friede nach dem Sturm.

 

 

Drei Knaben

 

Drei Knaben sangen mir zur Freude,

drei Knaben sangen mir zum Trost.

 

Der erste sang von Zärtlichkeit und Liebe.

Er sang es als einer, der engelgleich nie Zärtlichkeiten tauscht.

Er sang es so, wie Sterne blinken,

wie Wolken ziehen, so, wie das Farbenspiel des Regenbogens.

 

Drei Knaben sangen mir zur Freude,

drei Knaben sangen mir zum Trost.

 

Der zweite sang in schönem Alt.

Er sah mich an und traf dabei mein Herz.

Er sang mir von der Sehnsucht, von Schmerz und Trauer,

er sang mir von der Ewigkeit der Liebe, die nichts fordert,

die sich selbst genügt.

 

Drei Knaben sangen mir zur Freude,

drei Knaben sangen mir zum Trost.

 

Der dritte Knabe summte nur.

Er summte kurz und hielt dann inne.

Hoffnung war sein Name und Ergebenheit.

Die Weisheit aller drei erblickte ich in seinen Augen.

 

Die Knaben wurden nie erwachsen.

Sie übersprangen das Hoch und Tief der Leidenschaft.

Sie übersprangen den Alltag mit der Liebsten.

Still und ergeben, treu der Musik,

der Kunst, die Seelen rührt,

wurden sie vom Kind zum Greis.

 

Drei Knaben sangen mir zur Freude,

drei Knaben sangen mir zum Trost.

 

Ich blickte weiterhin in Knabenaugen,

lauschte dem lieblichen Gesang

und schwebte dabei knapp über dem Boden.

Die Schritte aber, die das Leben fordert,

ich setzte sie bedacht und sicher.

 

Mit jedem Schritt verklang das Singen

der Knaben etwas mehr.

Was blieb, war der Nachhall,

das Summen der drei Knaben.

Erinnerung der Sehnsucht nach Zärtlichkeit blieb leise in mir.

Es blieb die Ahnung und vielleicht ein Hauch von Hoffnung,

dass auch die Weisheit einmal

auf Erden landen wird.

 

Drei Knaben sangen mir zur Freude,

drei Knaben sangen mir zum Trost.

 

 

Paminas Bräutigam

 

Zu den Geweihten zählte Paminas Bräutigam.

Sie zählte nicht dazu.

Er lebte edel, streng, gewissenhaft

nach Regeln jener Weisen.

Sie lebte nicht danach.

Pamina lebte ihre Liebe, ihre Sehnsucht,

doch nicht nach der Geweihten Vorschrift.

 

Der Dolch blieb ihr zum Zeichen

der Trennung vom Geliebten.

Der Dolch sollte ihr nun zum Bräutigam werden,

sollte in sie dringen,

sich mit ihrem Lebenssaft benetzen.

Kein Leben wäre dieses Leben

ohne den Geliebten.

Sie hob den Dolch,

sie war bereit zum letzten Schritt.

 

Doch die drei weisen Knaben hielten sie zurück.

Sie sangen ihr und gaben Mut

und gaben Trost und Hoffnung.

 

Pamina blickte erstaunt in ihre Augen;

Augen der Unschuld und der Weisheit.

Es waren des Geweihten Augen,

des Geliebten Augen.

 

Geweiht und unerreichbar blieb ihr

der Geliebte in seiner Unschuld.

 

Knabenweisheit.

 

 

Eine Blüte

 

Eine Blüte fand ich, zart und wunderschön.

Als ich sie berührte, welkte sie dahin.

 

Ein Vogel sang für mich, lieblich, wundersam.

Als ich mich ihm näherte, flog er davon.

 

Ein Mensch blickte mich an, freundlich, liebevoll.

Als ich ihn umfing mit meiner Freundschaft,

erstarb das Lächeln, wich er zurück.

 

Ein Sehnen klang in meinem Herzen,

es rührte mich, es sang von Liebe.

Als ich es zuließ, ihm Raum gewährte,

wurde es zur Freude

und wurde Ewigkeit.

 


Knien

Ich knie vor Gottes Gegenwart
und knie auch vor deiner Schönheit.
Bebend liege ich der Allmacht Gottes zu Füßen
und liege dir zu Füßen, deine Anmut macht mich beben.
Ich staune über Gottes wunderbare Schöpfung
und staune über dieses mir kostbarste Geschöpf,
über dich.

Ich knie, bebe, staune,
die Freude, dich zu lieben
veredelt alle sehnsuchtsvollen Stunden.
Denn selbst die Sehnsucht wird zur Wonne,
weil du ihr Ziel bist, ein Ziel, das bereits Erfüllung findet
durch dein Sein.


Das Ganze

Tausend Teile führten mich zum Ganzen,
in tausend Gesichtern suchte ich nach dem einen,
nach dem deinen.

Tausend Wege ging ich hin zum Ziel,
auf tausend Wegen irrte ich,
um dich zu finden.

Alles hier ist Stückwerk,
in dir jedoch ergibt das Viele dann das Eine.
In dir ist die Ankunft, ist das Sein, das Ewige.

Du, Geschöpf und Mensch,
bist Abbild des Höchsten, Bild des Schönsten,
darum bist du schön.

Du, Lebendiger, trinkend aus der Quelle des Lebens selbst,
weckst meine Sinne, weckst mein Herz durch deinen Blick,
durch dein Lächeln, durch dein Wort.

Sei glücklich, damit ich glücklich bin.
Sei gesund, damit ich mein Wohlsein genießen kann,
sei fröhlich, Lieber, damit ich Freude finden kann.
Geht es dir gut, geht es mir gut.
Bist du froh, bin ich froh.
Mein Glück ist deines.
Meine Liebe, das bist du.


 

Die Hauptsache

 

Wer eine Hauptsache hat, eine, die ihn beglückt,

dem wird jeder Ärger, jede Sorge zur Nebensache.

Alles wird leichter für den, der eine Hauptsache hat.

 

Du, mein hübscher Freund, bist meine Hauptsache.

Du, mein lieber Begleiter, bist in meiner Mitte.

Du, mein edles Du, bist meine Ruhe,

die Frieden gibt und Hoffnung schürt.

Du bist meine Liebe.

 

Du bist nicht die einzige Liebe meines Lebens, mein Schatz.

Du  bist nicht einmal die einzige Liebe meines Jetzt.

Doch du bist die Basis meines Empfindens.

Du bist der Ansporn für mein Handeln.

Durch dich, ja, durch dich, mein Freund,

leuchtet jede Zuneigung meines Jetzt im Ewigkeitsglanz.

Alles strahlt schöner, alle Mühen werden leichter,

alle Entscheidungen gewinnen an Tragweite durch dich.

 

Lass dich nicht belasten

durch deine große Bedeutung in meinem Leben.

Freue dich vielmehr darüber,

wie viel allein dein Dasein schenkt.

Und wie viel mehr schenkt dann all dein Einsatz,

deine Hingabe, deine Treue für so Viele in dieser Welt!

 

Was für ein Geschenk bist du! 




Beides


Beides sind wir, beides wollen wir sein:

einzigartig, unvergleichlich, unverwechselbar

und anders, so ganz anders als der Durchschnitt.



Und wir wollen dazu gehören,

Teil einer heimeligen Gemeinschaft sein,

anerkannt, gemocht, willkommen.



Ich bin beides und bin ganz ich

und gern allein, so ganz für mich.

Wahre Begegnung ist ein Schatz für mich,

das Alleinsein ist ein Schatz für mich.

Ich bin da und überall

mit meiner Fantasie.

Ich bin da und überall

durch die Freundschaft vieler.



Ich bin ich und schau dich an.

Du bist du und schaust mich an.

Ich bin ich und schau mich an.

Du bist du, schaust du dich an?



Einer schaut uns an voll Liebe.

Er kennt uns von innen,

aus der Vergangenheit und aus der Zukunft.

Er liebt uns von Ewigkeiten her

und liebt uns ewiglich.




Dieser sagt, dass mein Blick für dich die Ewigkeit berührt.

Er sagt, dass dein Blick für mich die Zeiten zittern macht.

Ich schaue dich an und erkenne mich.

Du schaust mich an, erkennst du dich?




Dein Schlummer

Schlafend liegst du auf der grünen Wiese, Schöner,
friedlich schläfst du da.
Neugierig nähere ich mich.
Ich schaue dich an, betrachte deinen Schlummer.
Wenn ich dich wecke, erschrickst du vielleicht.
Doch dein Anblick weckt meine Sehnsucht.
So neige ich mich und küsse behutsam deine Stirn,
deine Wangen, deine Augenlider.
Du schläfst weiter.
Ich küsse zärtlich deinen Mund und seufze.
Zu köstlich schmeckt mir dieser Kuss,
zu sehr ruft dein stummer Mund
nach meiner Lust.

Deine Hände, deine sanften Finger, ruhen entspannt.
Ich küsse sie, jeden einzelnen
und deine Hände küsse ich in Ehrfurcht.
Du schlummerst ruhig.

Meine Hand gleitet zärtlich über deinen schönen Leib,
wandert weiter, wandert mit meinen Blicken hin zu deinen Füßen.
Sie nehme ich in meine Hände, neige mein Haupt
und küsse deine Füße, deine Zehen.
Du schläfst da auf der grünen Wiese.

Nun lege ich mich zu dir,
lege meinen Arm um dich,
bette mein Haupt an deine Schulter
und schlafe endlich selbst an deiner Seite
hier auf der grünen Wiese.

 



Das große Selbst

Manchmal begegnet mein kleines Ich dem großen Selbst.
Und es staunt.
Das kleine Ich erkennt strahlende Freundlichkeit im großen Selbst
und schmiegt sich an wie an die große Schwester,
wie an die liebe Mutter,
wie an die Liebe, die umarmt.

Das kleine Ich verstummt.
Worte sind nicht erforderlich, wenn Freude ruhig leuchtet.
Ich bin ja da“, sagt freundlich das große Sebst
und beugt sich hin und küsst
dem kleinen Ich die Stirn




Höre

Ich liebe dich, Herr, mein Gott, mit ganzem Herzen,
wenn ich dir danke für ein Herz, das ich erkennen darf.

Ich liebe dich, Herr, mein Gott, mit ganzer Seele,
wenn ich Ewigkeit schaue in Augen, so treu.

Ich liebe dich, Herr, mein Gott,
mit meinem ganzen Denken und meiner ganzen Kraft,
wenn ich nur Gutes wünsche dem,
der gut ist mit seinem Denken und seiner Kraft.

Ihn liebe ich wie mich selbst
und liebe Deine Göttlichkeit, die aus ihm spricht
mit seinem Schweigen, seinem Lächeln,
mit seinem Handeln und seiner Sehnsucht.

Höre, Herz in meiner Brust,
es spricht der Herr.




Mein Ohrwurm


Mein Ohrwurm bist du,
mein willkommener Tinitus,
mein angenehmer Basso ostinato,
stets präsent, stets in mir klingend.


Mein grünes Licht bist du,
die Folie, durch die ich blicke,
durch die mir alles grün erscheint,
grün wie Wiesen, Wälder,
wie das Wachsen in der Natur.


Und wenn du schweigst,
und wenn deine Farbe blass wird,
dann bist du erst richtig da;
nichts besonderes mehr,
nur einer unter vielen.


Und dann, ja dann erst
kann ich von Liebe sprechen,
von Liebe zu dir.




Sternschnuppe


Gelandet ist die helle Sternschnuppe,
als Steinchen fiel sie mir zu Füßen, klein wie ein Taubenei.
Da stand ich nun und fühlte mich betrogen.
Ich hatte mich selbst betrogen,
hatte das helle Licht weit überschätzt.
Nun lag das Steinchen vor mir, grau und unscheinbar.


Ich hob es auf, steckte es ein als Erinnerung an erdachte Liebe,
an die eitle Freude meiner Träume.
Nachts legte ich den Stein zu anderem Tand
und sah, dass es daneben noch mehr verblasste.
Welch eine Täuschung,
von hellem Licht zum Steinchen klein und grau.


Es weckte mich der helle Tag.
Das Licht des Himmels weckte meine Lebensgeister.
Vergessen war der Stein und der ganze Kram meiner Erinnerungen.
Mitten im Schwung des neuen Tages
streifte mein Blick den Stein,
ein kleines, unscheinbares Glitzern lockte mich.
Ich nahm den Stein in meine Hand, kratzte daran
und fühlte mein Herz aufs Neue pochen.
Ein Klumpen Gold, bedeckt von einer dünnen harten Schicht,
lag da in meiner Hand.




Gott der Liebe


Das ist der Gott der Liebe.
Aus Gott spricht uns die Liebe.
Die Liebe Gottes hebt uns empor.
Nur in Gottes Liebe gibt es wahres Leben.“
Das sind Worte, die ich höre.
Zwei Begriffe hüpfen ihr Versteckspiel
vor meinem Geist, in meinem Herzen:
Gott und Liebe.


Kindertränen sind Kindertränen.
Tränen alter Menschen tun noch mehr weh,
und es sind Tränen alter Menschen.


Lachen und scherzen mit Freunden
ist Lachen und Scherzen mit Freunden.
Der Blick des einen wahren Freundes jedoch
erfreut noch mehr mein ganzes Sein.
Und es ist der Blick des einen wahren Freundes.


Staunen, Jubel über Wind, Wald, Wolken
sind Staunen und Jubel über Wind, Wald, Wolken.
Das Eintauchen aber meines Blickes und des Gemüts
in die stillen sanften Wellen, die den Teich beleben,
gibt noch mehr Frieden, noch mehr Glück.
Und es ist das Eintauchen meines Blickes und des Gemüts
in die stillen sanften Wellen, die den Teich beleben.


Wer und wo ist nun der Gott der Liebe?
Ist er in den Tränen, im Lachen, in der Natur?
Es sind Tränen, es ist Lachen, es ist Natur.


Vielleicht ist es der tiefe ewige Kern in mir,
der Kern, der all das sieht und spürt,
den andere Gott und Liebe nennen.
Vielleicht.






Entzaubert


Mein Prinz hat seinen Glanz verloren,
mein Zauberer seine Magie.
Mein Engel hat nun keine Flügel mehr,
mein Himmel keine Sterne.
Was zu erwarten war, ist eingetreten:
vom siebenten Himmel bin ich herabgeschwebt
und bin gelandet auf staubigem Boden.
Kein Glitzern mehr, keine Spezialeffekte.
Alles ist nun sehr gewöhnlich hier.


Menschenworte sind es, die wir tauschen,
Menschenschritte, die wir gehen.
Als Mensch begegne ich einem Menschen,
ganz gewöhnlich sind wir beide.


Ich schaue dich an und frage mich, wo sie alle hinverschwunden sind,
der Prinz, der Zauberer, der Engel und der Sternenhimmel,
die ich in dir gesehen hatte?


Ich frage mich, warum ich nicht schon längst
den ganz gewöhnlichen Menschen in dir gesehen hatte,
den einzigartigen.
Den einen, den ich jetzt erst menschlich liebe,
hier in der Welt.


Gewinn


Was geschieht, wenn ich stehen bleibe und du weitergehst?
Was geschieht, wenn ich weiter gehe und du stehen bleibst?
Was geschieht, wenn ich wegsehe und du auch nicht herblickst?
Wir verlieren einander, wenn das geschieht.


Vielleicht aber verliere nur ich dich,
und du hattest mich nie gefunden.
Der Verlust wäre dann nur meinerseits einer,
nach so viel Gewinn.
Auf deiner Seite wäre dann gar nie Gewinn gewesen.


Jeden Tag ein Tag.
Jeden Tag ein Schritt.
Jeden Moment weitere Pflichten.
Pflichten, Mühen, Tage.
Und das war dann ein Lebenswerk, so treu.


Ich ziehe Gewinne vor.
Den Gewinn durch dich, selbst wenn er einst
Vergangenheit sein sollte.






Der Händedruck


Mitteilungen vielerlei Art tauschen wir aus;
Blicke, Lächeln, Körpersprache.
Wie wach ist meine Intuition?
Wie ehrlich, wie unbefangen meine Interpretation?
Ich spüre deine Vertrautheit und deine Dankbarkeit
im Austausch, in deinen Blicken,
in deinem lieben Händedruck.
Ich kann nicht wissen, ob das alles mir gilt als Person
oder meiner Tüchtigkeit so allgemein.
Ich kann nicht wissen, wie du über micht denkst
und ob du überhaupt etwas denkst über meine Person.
Ich kann es nicht wissen.
Doch mein Herz sagt,
dass du mein Spiegel bist und ich der deine,
dass du mein Brunnen bist und ich der deine,
dass du mein Himmel bist und ich der deine.


Schummle nicht, mein Herz,
schummle mich nicht an!




Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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Pfarre Breitensee

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