Foto: Andreas L. 

 

Efeuflöte

 

„Mach Musik!“ sprach mein Engel,

„heiße Rhythmen; fröhlich sollst du sein!“

Der Engel lächelte.

Um mich herum standen Pauken,

Trommeln, Glockenspiel,

Celli und Gitarren,

vor mir der weiße Grabstein.

Auf diesen schlug ich ein

und schlug und mühte mich.

 

Lebenswasser floss durch das Flussbett,

das ich war;

Gott sprach durch mich.

Ich aber hörte nichts,

freute mich nicht,

trauerte und war erschöpft.

 

Keine Rhythmen brachte ich hervor.

Stumpf schlug ich auf den Grabstein ein,

ohne Hoffnung auf Musik.

 

„Bring mich zum Klingen!“ rief da einer

und umarmte mich.

Ich sang und tanzte mit ihm.

Sacht klangen alle Resonanzen

um mich herum.

 

Efeu überwucherte den Grabstein.

Ich schlug nicht mehr auf ihn ein.

 

Einst wird hier eine Flöte klingen

aus Efeuholz.

 


Warten

 

Du wirst die Sehnsucht kosten und das Verlangen, lieber Freund.

Der Wirbel von Gefühlen wird dich drehen, schleudern, jauchzen lassen.

Tränen wirst du weinen, weil Pein von Liebesferne dich zerreißt.

Du wirst zittern, keinen klaren Gedanken im Kopf behalten,

weil das Bild der Lust dich ganz verwirrt.

 

Schreien wirst du, still und laut,

und dich nachts wälzen,

wenn deine suchenden Hände nicht ertasten,

was du brauchst.

 

Und ich bin da, bin bei dir, erfülle, was du sehnst,

verstehe, was du stammelst,

bedecke dich mit meiner Liebe,

ich, die seit Ewigkeiten auf dich wartet.

 

 

Riechen

 

Ein Tier bin ich mit feinen Sinnen.

Dein Geruch soll mich leiten,

an dir will ich schnüffeln,

will dich spüren bis in die letzte Zelle,

spüren dein ganz eigenes Ich,

deinen Duft, der mich betört,

mich auf den Rücken wirft,

dir ergeben.

 

Ein Engel bin ich mit feinem Wissen.

Den Keller deiner Seele will ich lüften, trocknen.

Licht und Luft soll ihn durchströmen.

Dann will ich diese Kellerluft einatmen,

dich einatmen,

mich in dir verkriechen.

 

Ein Mensch bin ich mit feinem Sehnen.

Deine Freiheit will ich erflehen beim Allerhöchsten,

will sie feiern, dein Glück loben

und sei es auch fern von mir.

In deiner Freude will ich mich sonnen,

will vergehen in deinem Blick.

 

 

Was ich kriegen kann

 

Da schenkte mir der eine Käselöcher

und manchmal auch die Hoffnung auf Versprechungen.

Man brachte mir die Luft aus Seifenblasen

und die ferne Aussicht auf sanfte Küsse.

 

Das Drumherum von Gedankengängen

bekam ich von jemandem

mit dem Hinweis auf Begegnung in eventuellen Träumen.

 

Und das Gelbe vom Ei versprach mir ein Freund,

während er es suchte, als er das Schoko Osterei verspeiste.

 

Viele Gaben dieser Art machten mich nicht reich.

Trotzdem bin ich gesegnet,

unermesslich sind meine Schätze.

Wundervoll ist diese Welt, die mir gehört,

da ich sie in Liebe erkenne.

 

Erfrischend und schön wie Diamanten sind die Wasserperlen.

Sie rieseln an mir ab, benetzen meine Lippen;

ein magischer Jungbrunnen für mich.

 

Glück und Liebe erfahre ich mit jedem Blick von dir,

mit jedem Wort aus deinem Mund,

mit jedem Schritt auf deinem Weg.

 

Du weißt nicht, wie sehr du mich erfüllst.

Die Welt weiß nicht, wie reich beschenkt ich bin.

Doch ich, ich weiß: 

 

FÜLLE  IST!

 

 

Im Garten

 

Mein Freund spielte im Garten nebenan.

Er schaute zu mir her und lächelte.

Ich schaute zu ihm hin und lächelte.

Tag für Tag kam er mir etwas näher, zögerlich.

Ich wartete und freute mich.

 

Nach vielen Tagen wuchs Sehnsucht in mir.

Der Freund war noch weit weg von meinem Zaun.

Ich warf das Lasso, zog ihn zu mir her.

Da wandte er alle Kräfte auf,

sich gegen mein Lasso zu wehren.

Vergessen waren alle Schritte in meine Richtung.

 

Ich ließ das Lasso fallen,

versuchte den Freund zu vergessen.

Lange lag er erschöpft und verwirrt in seinem Garten.

Verstohlen spähte er zu mir.

Er fürchtete mein Lasso

und war doch gespannt auf mich, auf meinen Garten.

 

Bei mir wuchsen Chrysanthemen, Lilien,

Frösche quakten in meinem Teich.

Es gab Holunder und Jasmin in meinem Garten

und eine Weinlaube, lauschig, schattig.

 

Bei ihm gab es schöne Rosenstöcke,

gepflegten Rasen, Blumenrabatte

und weiße Bänke beim Springbrunnen.

Schön war sein Garten und gepflegt.

Wild war mein Garten, üppig seine Düfte.

 

Nach langem Zögern winkte mir mein Freund

von seinem Garten wieder zu.

Ich winkte zurück.

 

Nun warte ich erneut und mit mehr Geduld

auf seine Schritte her zu mir.

 

 

Märchen

 

Mein Hänsel sitzt im Käfig,

ein Frosch ist mein Geliebter.

Hoch oben im Turm sitzt mein Rapunzelfreund.

Es schläft mein Prinz träumend hinter Rosendornen.

Als Reh durchstreift mein Herzensbruder dunkle Wälder,

zu Eis gefriert sein Herz, wenn ich ihn berühren will.

Im Glassarg liegt er, schön und unnahbar.

 

Ich blättere im Märchenbuch meines Geliebten,

will ihn ergründen, lieben und verstehen.

Da flüstert mir die gute Fee ein Trostwort zu:


„Ruhe in deinem Herzen, schau auf deine Mitte.

Dort liegt eine goldene Nuss.

Betrachte sie liebend, sie wird sich öffnen.

Darin findest du den Kern des Lichts.

Lass das Licht strahlen, versuch es nicht zu fassen.

Aus ihm erwächst dir der Geliebte

in voller Größe und in Liebe.

Dann schließt er dich in seine Arme,

und erst dann!

So bleibt ihr vereint für immer, euch zum Heil.“

 

 

für A.:

 

Ein Irrlicht

 

Komm, sei lieb zu mir,

drück mich, streichle meine Wangen.

Lege deine Lippen auf meine und küsse mich so,

wie du mich küsstest, als noch alles gut war.

Warum soll es nun nicht mehr so sein?

Warum willst du meine Zärtlichkeit nicht mehr?

 

Ein Dämon riss dich weg von mir,

ein Irrlicht hat dich fortgelockt.

Lausche nicht den falschen Stimmen,

die dich verwirren in deinem Kopf!

 

Höre vielmehr auf dein Herz, auf deine Mitte.

Du wirst erkennen,

dass in unserer Umarmung Friede wartet, Freude.

Dann wirst du wissen, dass mein Lächeln kein Trugbild ist.

 

Werde ich noch da sein, wenn du das erkennst? 

 

 

(Nachtrag: eher nicht.) 

 

 

Brot, das du bist

 

Ein Tabernakel ist mein Herz,

das Allerheiligste bewahre ich dort auf,

dich.

Da bist du, feierlich, heilig, unantastbar,

Brot, das meine Seele nährt,

das meine Liebe strahlen lässt,

Brot für die Ewigkeit.

 

Brot in meinen Händen,

von dem ich Bissen für Bissen nehme,

das meinen Körper stärkt und meine Freude belebt,

dieses Brot willst du mir nicht sein,

oder kannst du mir nicht sein.

 

Ich esse, trinke, lache in der Welt.

Da bist du fern,

bist eingeschlossen,

tief drinnen im Tabernakel meines Herzens.

 

Ich bete in stillen Momenten,

öffne den Tabernakel

und schaue dich an.

Da bist du, stumm, bewegungslos,

Brot meiner Fantasie.

 

 

Der Zaun

 

An deinem Garten ging ich oft vorüber.

Keinen Blick warf ich über deinen Zaun.

Da riefst du mich und hast mich zu dir eingeladen.

Ich zögerte, trat langsam bei dir ein,

schaute mich um und staunte über deine Ordnung.

 

Nach und nach lockte mich dein Garten immer mehr,

die Blumen, das Gebüsch, die schönen Bänke.

Bei dir atmete ich tief durch

und legte mich vertraut auf deine Wiese.

 

Das sollst du nicht,

hier liegen, an meinen Blumen schnuppern,

auf meinen Bänken sitzen.

Du sollst den Garten nicht betreten, einfach so.

Ich habe einen Zaun,

achte also meine Grenze!“

ermahntest du mich da.

 

An deinem Garten gehe ich vorüber,

den ich nun kenne.

Blicke werfe ich ab und zu über deinen Zaun.

Es ist jedoch der Zaun, der mir ins Auge sticht,

mehr als der Garten.

 

 

 

Kokon

 

 

Wie eine Seifenblase, schillernd schön, schwebt der Kokon.

Die Geheimnisvolle darin singt und tanzt in sich versunken,

ganz allein.

Nach Ewigkeiten und nach allen Stürmen außerhalb

schwebt schillernd, leuchtend eine weitere Blase übers Feld.

Der Magier darin blickt ernst.

 

 

Erstaunt erblicken sie einander,

erkennen die Barriere,

schweben weiter, entfernen sich,

bleiben allein.

 

 

Der Nordwind lässt sie erzittern,

der Westwind lässt sie beben,

der Südwind treibt sie hoch hinauf,

bis sie verschwinden,

getrennt in getrennten Wolken.

 

 

Dann ist es windstill,

und sie sinken langsam erneut herab,

die eine da, der andere dort.

 

 

Da weht eine sanfte Brise von Osten her

und schiebt sie ineinander, ganz unmerklich,

bis sie zu einer Einheit werden,

in wachsendem Glück.

 

 

 

 

 

Der Wunsch des Guten

 

Vertrauensvolle Kinderaugen wandten sich zum Himmel.

Der kleine Bub sprach:

Lieber Gott, ich will der Beste sein in allem!“

Gott lächelte.

Mit sanfter Hand erfüllte Er den Wunsch des Knaben.

 

Der Bub blieb fromm, gut und fleißig.

Vertrauensvoll flehte er nach langer Zeit:

Lieber Gott, ich will immer gut sein.

Nichts Böses soll mein Herz beflecken.“

Gott lächelte.

Mit sanfter Zuwendung

erfüllte Er den Wunsch des jungen Mannes.

 

Die Jahre flossen schnell dahin,

der Mann wurde zum Segen Vieler.

Vertrauensvoll neigte er schließlich das Haupt und bat:

Lieber Gott, ich will die Liebe spüren,

den Urgrund dieses Lebens.

Dafür bin ich bereit, Schmerz und Sehnsucht zu ertragen,

wenn ich nur endlich fühlen kann, was tausend Lieder

so eindrucksvoll besingen.“

 

Gott lächelte.

Er wusste ja, wo wahre Liebe lebt,

ist Er lebendiger denn je zu finden.

Die passende Person sandte Gott nun zu dem Mann,

als sein Du, in dem er sich erkennen soll,

in dem er Gottes Dasein feiern kann.

Diese Person begegnete lächelnd dem Frommen Guten.

Ein reines, kindliches Herz öffnete sich ihm.

 

Der Mann staunte, zauderte und sah,

dass hier alles offen lag, reiche Ernte,

Festagsfreuden ohne Mühe, ohne Verzicht;

kein Schwur und kein Gelübde für diese Liebe.

 

Das war nicht der treue tüchtige Weg,

den er bis dahin gegangen war.

Es war ein neuer, fremder Weg.

 

Freundlich grüßte er die Liebende

und ging an ihr vorüber.

 

 

 

 Vorübergang

 

Wenn der Herr vorübergeht an der Tür,

die durch das Blut geschützt ist,

durch das Blut des Opferlammes,

dann ist das der Auftakt großer Freiheit.

 

Wenn Christus vorübergeht

an der Versuchung in der Wüste,

dann zeigt das, wie sehr Erlösung hier passiert,

in jedem Jetzt.

 

Wenn aber der Durstige am Brunnen vorübergeht,

weil er die Quelle am Gipfel eines Berges sucht,

dann wird das ein schwerer Weg für ihn.

 

Der Brunnen bleibt

und weiß um das Quellwasser tief in ihm drinnen.

Kommt der Wanderer zurück und schöpft daraus,

dann wird das ein guter Augenblick.

Es wird der Auftakt sein für weitere Begegnungen,

für weitere Erfrischungen im Wissen:

lebendiges Wasser ist da, wo wir sind.

 

Wer Augen hat, der sehe.

 

 

 

Der Schatz

 

Schwere Schritte, Dornen und Steine am Weg;

doch alles ist leichter, da ich weiß,

ich trage einen Schatz im Herzen.

 

Trockenheit und Dürre, einsames Bangen,

auch das lässt mich nicht wanken,

denn ich trage einen Schatz im Herzen.

 

Dieser Schatz ist mein Licht, mein inneres Lächeln.

Diese Liebe ist der Same, der reiche Frucht bringen kann.

 

Ich säe ihn aus und er sprießt und gedeiht.

Nur der Boden, für den er bestimmt ist,

bleibt hart und verschlossen.

Dort liegen die Körner und warten auf Regen.

 

 

 

 

Das Licht

 

Das starke Sonnenlicht durchflutet alle Räume meiner Burg,

bis hinab zum Keller.

Dieses Licht wärmt wohlig, es hat Heilkraft,

als Wind zieht es durch meine Burg.

 

In der großen Halle stehe ich

und lasse mich durchströmen von dieser guten Kraft.

Sie bleibt bei mir, die gute Kraft,

als Kerzenschein, als heilender Wind,

als Licht, das mir die Herzensaugen öffnet.

 

Immer war es da, dieses lebendige Strahlen,

doch meine Türen waren zu und auch die Fenster.

 

Einer kam, um sie zu öffnen.

Mit leichter Hand schob er die Türen auf, die Fenster.

Freundlich stieg er mit mir hinab zum Keller

und spürte dort verborgene Winkel auf.

 

Ein Teil des Lichtes ist dieser Eine jetzt,

ein Teil der Heilung,

Windhauch der Liebe.

 

 

 

 

Nichtschwimmer

 

 

 

Komm ins Wasser, es ist wunderbar!“

 

rief ich meinem Freund zu.

 

Er war mit mir gewandert,

 

hatte Blumen und Berge mit mir bestaunt.

 

 

 

Nun aber stand er am Ufer des Sees und meinte:

 

Dieses Treiben im kalten Nass ist nichts für mich.

 

Die geistige Welt ist meine.“

 

 

 

Allein wanderte er weiter

 

und ließ mich zurück ohne ein weiteres Wort.

 

 

 

Ich fühlte mich verlassen, abgelehnt,

 

doch beim Schwimmen erfuhr ich Frische,

 

Glück bringende Lebenskraft.

 

Und ich verstand, dass mein Freund

 

ganz einfach nur Nichtschwimmer war.

 

 

 

 

 

 

 

 

Freundschaft

 

 

 

Du bist mein Freund, ich bin dir Freundin.

 

Füreinander sind wir da, aneinander freuen wir uns.

 

Ich freue mich an deiner Freude,

 

du förderst meine Freiheit.

 

 

 

Frei sind wir in der Welt, da wir zueinander fanden.

 

Stark sind wir in der Welt, da wir einander lieben.

 

Das macht mich froh, das macht dich froh.

 

 

 

All das sage ich dir mit strahlendem Blick.

 

Du schaust mich an und antwortest:

 

Ich bin nicht dein Freund, doch bin ich für dich da,

 

bin da für jeden, der mich braucht.

 

Ich bin frei für jeden, gehöre niemandem

 

und niemand gehört zu mir.“

 

 

 

Als Mutter sage ich: „Ich liebe Kinder,

 

und an meinem eigenen Kind erkenne ich,

 

was das bedeutet.“

 

Als Tochter sage ich: „Ich liebe Elternschaft,

 

doch an meiner eigenen Mutter erkenne ich,

 

wie heilsam elterliche Geborgenheit wirkt

 

für das ganze Leben.“

 

Als Frau sage ich:

 

Ich liebe es,

 

Abbild Gottes sein zu können in der liebenden Einheit.

 

Da ich diese Einheit zu dir erfahre,

 

erkenne ich Liebe in jedem Menschen,

 

will da sein für andere,

 

freue mich an der Freude anderer.

 

Und ruhe doch in der Liebe zu dir,

 

die mir Heimat ist.“

 

 

 

Morgens verlasse ich mein Haus und wirke in der Welt.

 

Abends kehre ich zurück in meine Geborgenheit.

 

Du bist mein Haus, Freund,

 

und bist nicht austauschbar für mich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bescheid wissen

 

 

 

Lässig und ganz nebenbei fragte ich den Herrn:

 

Was läuft da mit meinem Freund,

 

der mir noch immer ein Rätsel ist?“

 

 

 

Der Herr sprach:

 

Die Einheit entsteht durch die Dreiheit.

 

Zu zweit erkennt ihr den Einen.

 

Das macht euch aufbrechen,

 

euch zu zweit auf den Weg machen,

 

euch dem ewigen goldenen Fließen anvertrauen,

 

denn das Ziel ist das Buch, das lebendiges Sein ist

 

im Strahlen des göttlichen Angesichts im Hier und Jetzt.“

 

 

 

Na toll, dachte ich,

 

jetzt weiß ich ja wirklich Bescheid...???

 

 

 

 

 

 

 

Den Baum pflanzen

 

 

 

Da war der schöne junge Apfelbaum,

 

den du in deinen Garten pflanzen wolltest.

 

Hilf mir bitte“, batest du.

 

Ich kam mit Schaufel, Wasserkübel,

 

mit meiner ganzen Kraft.

 

 

 

Wir gruben tief, setzten den zarten Baum in die Grube.

 

Ich wollte die Erde wieder hineinschaufeln,

 

wollte Stäbe als Stützen fixieren,

 

doch du sagtest:

 

Genug jetzt. Ich bin hier der Gärtner,

 

nur ich bepflanze und pflege diesen Boden der Gefühle.“

 

 

 

Hast du denn eine Schaufel, um das Werk zu vollenden,

 

um den Baum gut zu pflanzen?“ fragte ich gekränkt.

 

Das ist allein meine Angelegenheit“,

 

antwortetest du.

 

 

 

Jenseits des Gartenzauns wandte ich mich um

 

und sah dich am Boden kniend

 

mit bloßen Händen voller Mühe Erde in die Grube schieben.

 

Es geht auch so, erkannte ich

 

und räumte die Schaufel wieder weg.

 

 

 

 

 

Der Ritter

 

 

 

Eine schöne Rüstung trägt mein Freund.

 

Als Ritter strahlt er edel.

 

Man bewundert ihn

 

und fühlt sich beschützt durch seine Kraft.

 

 

 

Gefährliche Drachen bezwingt er,

 

für sein Volk und für die Reinheit seines Herzens

 

kämpft er gegen das Böse an.

 

 

 

Hier kannst du die Rüstung ablegen,

 

ich komme in Frieden.

 

Wir wollen Blumen bestaunen auf der Wiese,

 

wollen die Sonnenstrahlen genießen,

 

wollen Wolkenbilder erkennen.

 

Komm in leichtem Gewand zu mir auf die Wiese!“

 

lade ich ihn ein.

 

 

 

Der schöne Ritter schaut mich an

 

und reagiert nicht.

 

Ohne Rüstung will er mir lieber nicht begegnen.

 

 

 

Du bist derselbe Ritter auch ohne Rüstung.

 

In deinem Herzen bist du es und bist es umso mehr,

 

je mehr du das erkennst.

 

Aus Gold ist deine Rüstung, die Liebe heißt.

 

Stählern ist deine Tapferkeit, sie heißt Vertrauen

 

und erkennt, wer in dein Herz darf

 

und was ein Drache ist,

 

der, von deinem Glanz geblendet, weicht.

 

 

 

Komm auf die Wiese, schütze dich nicht vor mir.

 

So bleibt dein inneres Gold der wahre Schutz.“

 

Das sage ich und lege mich aufs Gras,

 

um Wolkenbilder zu betrachten,

 

den Duft der Blumen zu genießen.

 

 

 

Der Freund steht da in seiner Rüstung

 

und schaut mir dabei zu.

 

 

 

 

 

 

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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Mit freundlicher

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