AUFGEWACHT

 

WARNUNG!

 

Zu eventuellen Nebenwirkungen dieses Textes fragen sie Ihren Psychiater oder Seelsorger. Für Jugendliche unter 18 Jahren ist dieser Text nicht geeignet, da er verstörende vulgäre Schimpfwörter enthält. Die beschriebene Handlung auf der Autobahn ist gesetzeswidrig, gefährlich und auf keinen Fall nachzuahmen!

 

Lesen auf eigene Gefahr!

 

27. Dezember. Ich hatte den Wecker auf 5.30 Uhr gestellt, meine übliche Zeit, um für den Schulalltag rechtzeitig fertig zu sein. Doch wir hatten Weihnachtsferien. Ja, aber Günther wollte, dass ich so früh wie möglich zu ihm fuhr. Eigentlich hätte ich ja schon am Stefanitag zu ihm kommen sollen. Doch dann diese beschissene Darmgrippe – im wahrsten Sinn des Wortes. Womit hatte ich das verdient!? Dabei wäre ich so gern bei der Weihnachtsliturgie dabei gewesen! Ich hätte mich so sehr gefreut! Und dann konnte ich mich nur noch darüber freuen, dass ich gleich nach der Eröffnung der Christmette rechtzeitig aus der Kirche kam, um dort alles voll zu kotzen. Es war zum Kotzen – im wahrsten Sinn des Wortes!

 

Und die Übelkeit danach: jeder Handgriff eine Anstrengung, eine Qual. Ans Essen nur zu denken war grauenhaft, dabei schwanden die Kräfte, man sollte sich irgendwie Energie zuführen. Aber wie, wenn man gerade noch mit Müh und Not ab und zu einen Schluck Wasser oder etwas ungezuckerten Tee verträgt und das nicht einmal immer.

 

Schließlich Günther: „Wenn du nicht kommst, weiß ich nicht, was ich mit dem Hund machen soll. Ich habe doch diesen Auftrag und du solltest doch auf den Hund schauen…“ „Na ja, vielleicht schaffe ich es am Tag deines Auftrags, am 27.12., mal sehen, wie ich mich da schon fühle.“ Ich wollte ihn ja wirklich nicht versetzen.

 

Ich fühlte mich schwach und schwindlig, doch die Übelkeit war nicht mehr da. Appetit zwar auch nicht, aber ich war stark genug, um von Wien nach Salzburg zu fahren, zu Günther. Kaum dort angekommen meinte er: „Greif mich ja nicht an, ich könnte mich mit deinem Darmvirus anstecken!“ „Okay“, meinte ich, doch ich sollte etwas essen, ich fühle mich recht geschwächt.“ „Da hast du eine Käsesemmel. Für später gibt es noch eine“, meinte er. Wie großzügig. Aber ich will nicht ungerecht sein, ich bekam auch einen Apfel und vertrug diesen sogar ohne zu kotzen. Juchhe! Dann gingen wir mit dem Hund hinaus.

 

Als wir zur Pullman City fahren wollten, setzte Günther so schnell auf einem Parkplatz zurück, dass er durch ein Hindernis dort einen Reifenplatzer hatte. Doch der Ersatzreifen löste sich nicht von der Verankerung. „Scheiße“ rief er mit Recht, denn schließlich sollte die Veranstaltung für seinen Auftrag um 20.00 Uhr oder etwas später beginnen, es war aber bereits (!) 12.30 Uhr. Die Fahrt würde zwei Stunden dauern und er wollte nachmittags dort noch etwas filmen. Er arbeitet gern mit viel Zeitpolster. So borgte ich ihm natürlich mein Auto, wir luden alles um, auch den Hund, und fuhren los. Nach all der Aufregung fühlte ich mich unterkühlt und schwach. Unterwegs gab es zwei Kokosbusserl. Ich genoss mit Vorsicht. Sie waren sehr gut, aber… ja, zum Glück, sie sprangen mir nicht wieder aus dem Gesicht.

 

In Pullman City spazierten der Hund und ich über drei Stunden lang herum. Es war echt schön, doch mir wurde langsam immer kälter. Dann tranken wir etwas mit Bekannten in einem Mexiko Lokal. Ich genoss den Pfefferminztee. Danach endlich der Soundcheck in der Musikhall. Der Hund litt am Lärm, mich fröstelte, es war zugig. Dann das Konzert – nicht schlecht. Beim vorletzten Lied ging ich noch mal mit dem Hund hinaus. Es war feuchtkalt ungefähr bei Null Grad.

 

Günther kam nicht gleich. Der Hund und ich stolperten über eine halbe Stunde durch die kalte Finsternis. Schließlich der Aufbruch. Mich fror und ich war erschöpft. Auf der Heimfahrt gab es ein kleines aber gutes Stück Topfengolatsche. Und nun merkte ich es: ich hatte Hunger. Ich fühlte mich schwach vor Hunger. Fein! Das hieß nämlich, ich vertrug wieder normale Kost. Günther maulte, dass er so spät nichts essen könne, aber bitte, wenn ich unbedingt wollte, könnte ich ja ein Käsebrot essen. „Ja, und ein Leichtbier dazu!“ meinte ich zuversichtlich. Es war sehr nebelig, aber irgendwann kamen wir doch an. Zwar war es schon weit nach Mitternacht, aber ich gönnte mir das Brot und das Bier. Die Augen fielen mir dabei schon zu, aber nun wartete ja nur noch das Bett. Gott sei Dank!

 

Endlich drin bekam ich Schüttelfrost. Vielleicht vom kalten Bier, als Nachwirkung auf die Darmgrippe oder vom langen Hatschen mit dem Hund durch die feuchtkühle Nacht? Jedenfalls bat ich Günther, mich lieb zu wärmen. Er kam und tat es – trotz Ansteckungsgefahr, wie mutig! Ich fiel sofort in einen Dämmerzustand. Ein bisschen Wärme noch und ich könnte endlich schlafen wie ein Baby. „Warum hast du keine ordentlichen Winterschuhe angezogen? Und überhaupt, immer ist dir kalt, nie ziehst du dich passend an…“ Günther steigerte sich gerade in eine seiner neuerlich selten gewordenen Schimpftiraden hinein. Mir kam in den Sinn, dass ich eigentlich in Wien hätte bleiben sollen, rekonvaleszent wie ich war. Und nun tadelte mich dieser alte Trottel, anstatt sich für meine Hilfsbereitschaft zu bedanken und mich weiterhin lieb zu wärmen. Unbändiger aufgestauter Groll ließ mich trotz Kälte hochfahren. Ich zog mir etwas über den Pyjama, raffte rasch mein Zeug zusammen (bis auf all das, was ich in meiner Wut vergessen hatte) und verließ um 2.23 Uhr morgens saumüde und zitternd vor Kälte Günther. Scheiße, der Tank war leer. Schließlich war er ja mit meinem Auto in der Pullman City gewesen.

 

Egal, ich musste weg, weg, weg. Das war’s jetzt endlich mit Günther. Mir reichte es endgültig mit seiner geringen Wertschätzung und seiner immer wiederkehrenden Nörgelei. Und hier beginnt eigentlich erst die Geschichte: ...

 

 

(Die ganze Geschichte erscheint im Herbst 2018 im Sammelband "DASDA")

 

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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