DIE REISE

 

Sophie ließ sich erschöpft aufs Sofa plumpsen. Das Meiste dieses Samstag Vormittags hatte sie hinter sich: Waschmaschine füllen, Saugen, Staub wischen, Geschirrspüler ausräumen, Trennmüll wegtragen, Bad und WC putzen, Poststapel durchschauen und den Papiermüll hinaus tragen, mit der Nachbarin quatschen, weil die dummerweise gerade bei den Papiercontainern stand, Wäsche aufhängen und -  nun endlich kurz verschnaufen. Fünf bis zehn Minuten entspannen und dann einkaufen gehen, kochen, Schreibtisch aufräumen nach dem Essen und …

 

Sie genoss die weiche Schwere am Sofa und die Stille. Zwei, drei tiefe Atemzüge, dann legte sich dieses Gefühl des langsamen Tiefersinkens über sie. Schwer und tief, tief, immer tiefer, ruhig. Wie schön!

 

Auf einmal stand sie auf dem Dach, leicht wie Luft und frei, so frei! Sie blickte hinab auf das geschäftige Treiben unten, die Autos, die Menschen. Sophie fühlte sich weit weg von all dem. ‚Ist das eine Seelenreise oder ein Traum?’ dachte sie. Ihr ganzes Bewusstsein war ein einziges Lächeln. Sie fühlte sich so wohl hier oben, leicht und frei in dieser Vogelperspektive. Ein paar Tauben zogen an ihr vorbei, sie folgte ihnen mühelos. ‚Die Welt steht mir offen!’ bemerkte sie glücklich und wünschte sich an einen Strand. Schon war sie da. Eine Zeit lang schaute sie auf die schäumenden Wellen, horchte auf die Gischt und fühlte sich erfrischt dabei. Warum nicht auch das Meer bereisen? Tief unten schwamm sie mit der größten Selbstverständlichkeit und beobachtete all die geheimnisvollen Geschöpfe bei ihrem stillen Dahingleiten. Sie bewunderte die mächtigen Haie in ihrem machtvollen Gemeinschaftstanz. Der Riesenkrake schaute sie aus weisen Augen an. Sie lächelte ihm zu. Die Majestät seiner Ausstrahlung erinnerte sie an den Dalai Lama.

 

Im nächsten Augenblick saß sie ihm gegenüber. Er lächelte sie freundlich an und sagte in Gedankensprache: „Auf der Reise heute?“ Sophie nickte überrascht. Was der alles wusste! „Solltest du zu diesem besonderen Anlass nicht da sein, wo dein Herz ist?“ fragte er interessiert.

 

Die ganze Geschichte ist unter dem Titel "Sichtbar nicht da" beim Verlag united p.c. erschienen, ISBN: 978-3-7103-1618-0 

 

 

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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