Entfernt und so nah

 

Weit entfernt vom Geliebten lebte die Einsame. Sie konnte ihm nicht schreiben, konnte ihn nicht hören und nicht sehen. Vage wusste sie, dass es ihm den Umständen entsprechend gut ging in der Verbannung.

Morgens sang sie ein kleines Lied, mittags holte sie gut gelaunt Kräuter für die Suppe aus dem Garten. Nachmittags versorgte sie die Tiere, kümmerte sich um den Haushalt und widmete sich Menschen, die ihren Rat suchten und ihre Nähe.

 

„Warum bist du so guter Dinge? Vermisst du deinen Geliebten nicht, der in der Verbannung lebt?“, fragte einmal jemand. „Ich bin glücklich, weil ich liebe. Meine Lieder singe ich für den Geliebten, meine Mühen und die Fürsorge, meine Blicke und Träume, alles widme ich dem lieben Fernen“, antwortete die Frau. „Aber er hat doch nichts davon, er ist ja so weit weg“, wunderte sich der andere. Die Frau lächelte und meinte: „Er ist und lebt und bleibt ganz in mir drin, in meinem Herzen. Ganz nah ist mir mein Geliebter.“

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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