HANNES

 

Nach dem langen Winter schien nun endlich die Sonne auf unsere Stadt. Anita  und ich wollten die Mittagspause nicht in der Kantine verbringen. So verbrachten wir sie auf einer sonnigen Bank in einem nahe gelegenen Park. Anita  war mir die liebste unter den Kolleginnen, doch auch sie kannte ich nur flüchtig. Richtige Freundschaften entstanden eigentlich kaum in der Firma. Nun aber genoss ich es, Anita  neben mir auf der sonnigen Bank sitzen zu haben und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen mit ihr zu teilen. Wir hatten Mitte April. Von Februar bis zu diesem Tag war es ständig trüb und nebelig gewesen. Es war schon fast Zeit aufzubrechen, als Anita  plötzlich mitten in der Bewegung inne hielt. Sie starrte in eine Richtung, aus der ein Jugendlicher dahergeschlendert kam. Er schien sie zu erkennen und lächelte ihr zu. Langsam und gelassen trat er näher, lächelte nun noch inniger und setzte sich zwischen uns. Anita  blickte ihn mit aufgerissenen Augen und offenem Mund an. Er aber blickte seinerseits stumm auf sie mit lächelndem Mund und strahlenden freundlichen Augen.

 

„Grüß dich!“, sagte ich zu ihm, um irgendetwas zu sagen. Ich kam mir plötzlich sehr überflüssig vor. Anita  wurde abwechselnd blass und rot im Gesicht. Sie sank dem jungen Burschen fast in die Arme, so sehr neigte sie sich ihm unwillkürlich entgegen. Mich wunderte ihr Verhalten, denn der Bursch war locker um zwanzig Jahre jünger als Anita  und für einen Verwandten konnte ich ihn auch nicht recht halten.

 

„Hannes!“ hauchte Anita  plötzlich und wiederholte mehrmals: „Hannes! Hannes!“ Der Bursch lächelte noch inniger zum Zeichen des Grußes. „Hannes!“ stammelte Anita  wieder und wieder. Sie lächelte verwirrt und war gleichzeitig den Tränen nahe. Die Welt um sie schien nicht mehr zu existieren. Ihr ganzes Sein galt nur diesem jungen Burschen. Mir schien das alles sehr sonderbar. „Kommst du nach?“, fragte ich und wollte gehen. „Du bist es wirklich!  Hannes!“ hauchte sie. Er schaute sie an und nickte leicht. Sein Lächeln zog nun auch meine Aufmerksamkeit auf sich, während ich bis dahin nur verwundert Anita  beobachtet hatte

 

Der Rest dieser Geschichte ist unter dem Titel "Sichtbar nicht da" im Verlag united p.c. erschienen, ISBN: 978-3-7103-1618-0 

 

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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