Kommunikation

 

Sprechen mit dem Freund war wie Wandern in seiner Seele und es war wie Wandern hinein in Ewigkeit. Natürlich war die Ewigkeit Nebel verhangen. Wir können hier nicht alles begreifen und erkennen. Die Seele des Freundes öffnete sich mir in dem Maße, in dem ich ihn auch in meine Seele einlud und selbst den Mut fand, meine verschlossenen, verstaubten Kellergewölbe aufzusuchen. Mit ihm stieg ich Stufe für Stufe hinab. Es war kühl und etwas feucht da, Spinnweben überall und das deutliche Empfinden einer traurigen Präsenz. Da saß ein Mädchen, angstvoll zitternd, allein, eingesperrt. Seit Jahrzehnten saß es da und wartete nicht einmal mehr auf Befreiung. Vielleicht hatte es in seiner Not bereits vergessen, wie Leben eigentlich sein sollte. Vielleicht dachte es, dass dieses Eingekerkert Sein Leben bedeutete. Die geisterhafte deutliche Gegenwart dieses bedauernswerten Kindes lähmte mich vor Angst und Bangigkeit. Mein Freund legte beruhigend die Hand auf meine Schulter und stellte eine Kerze in das für gewöhnliche Augen leere Verließ. Da spürte ich die traurige Präsenz nicht länger. Viel mehr spürte ich die Gegenwart des Freundes, sein liebes und wohltuendes Dasein.

 

Dann gab es keine Gespräche mehr, das traurige Mädchen hatte ab und zu Ausgang bekommen. Es blieb aber unglücklich und blieb im Wesen eingesperrt. Die Welt schien ihm bedrohlich und zu groß nach den vielen Jahren der Gefangenschaft und Angst. Neuen Austausch sollte es geben, um dem Kind in meinem Keller-Ich Freude zu ermöglichen. Darum ging ich zu meiner lieben Freundin, der Nebelfrau. „Was kannst du mir erzählen?“ fragte ich. Sie sah mich lange schweigend an, wie es so ihre Art ist und meinte dann: „Sei zärtlich zu den Abendstunden, sei behutsam zu jedem Morgen. Schau, ich lege mich sanft auf Wiesen, spiele still mit den Sträuchern am Waldrand und tanze leise über die Welt des Halbzustandes. Nicht Tag, nicht Nacht, das ist mein Reich. Ich runde alle Kanten ab und zeichne weich, damit das Auge ruhen kann in meinem fahlen Erscheinen. Ich bin der stille Tanz, der nicht immer alles zeigen will, der mehr verdeckt als zeigt und der dir dadurch Ruhe gönnt. Darum liebst du mich.“

 

Die ganze Geschichte ist unter dem Titel "Sichtbar nicht da" beim Verlag united p.c. erschienen, ISBN: 978-3-7103-1618-0 

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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