TRAUM

 

Ich ging im Wald spazieren. Es war früh am Morgen. Die Luft war kühl und erfrischend, der Boden noch feucht. Überall roch es nach Frische, nach Wald und Laub. Die Sonne blitzte bereits durch die Wipfel, doch hier bei mir regierten noch zarte Nebelschleier. Es war eine feierliche Stille. Vogelgezwitscher da und dort, das Huschen eines aufgeschreckten Hasen, Amseln, die im Laub nach Würmern suchten, all das vergrößerte nur die Stille ringsumher.

 

Mir wurde bewusst, dass ich barfuß war und im Nachthemd. Ganz deutlich spürte ich das Laub und viele kleine Zweige an den Fußsohlen. Es kitzelte ein bisschen, trotzdem ging ich ganz vorsichtig, um mir nicht weh zu tun. Inzwischen war ich bereits mitten im Wald. Ich ging auf Moos, umgeben von feuchtem Farn. Auch das Nachthemd war bis zu den Knien feucht. Ich ging einfach immer weiter ohne Ziel, allein um die Schritte zu genießen, den Duft und die Geräusche des Waldes, die feuchte Kühle und die Sonnenstrahlen, die immer stärker wurden und ihren Weg durch das Blätterdickicht zu mir fanden.

 

Da stand auf einmal ein dunkles Wesen vor mir, unbewegt. Es war noch so weit weg, dass ich natürlich an eine Sinnestäuschung glaubte. Der Stumpf eines abgebrochenen morschen Baumes vielleicht oder was auch immer. Dieses ruhige Dastehen und zu mir Starren konnte eigentlich nur so etwas sein. Dort wo ich das Gesicht des Wesens vermutete, sah ich ja nur Schatten. Neugierig eilte ich näher heran und bemerkte, dass sich dieses Etwas wie hinter einem Schutz befand. Wurzeln, Sträucher, Gräben und Löcher, womöglich von einem großen Fuchsbau, verhinderten das zügige Weiterkommen.

 

Die ganze Geschichte ist unter dem Titel "Sichtbar nicht da" beim Verlag united p.c. erschienen, ISBN: 978-3-7103-1618-0 

 

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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