Weiß auf Weiß

 

Heinz war der typische Erfolgsmensch, der typische Frauenheld, der typische Gewinner. Seit einigen Tagen ging er etwas bedrückt umher, denn die Trennung von seiner letzten Freundin beschäftigte ihn doch mehr, als er es erwartet hatte. Nicht dass sie ihm so sehr fehlte, er selbst war es ja gewesen, der den Schluss-Strich gezogen hatte, wie er es immer tat, wenn er einer Freundin überdrüssig geworden war. Interessant schien ihm eine Frau nur, solange sie ihm nicht `gehörte´, wie er sich auszudrücken pflegte. Es war eine Art Jäger- und Sammlerleidenschaft, die Heinz dazu drängte, immer wieder neue Eroberungen zu machen. Zu einer echten Begegnung oder sogar Beziehung war er nicht fähig, darum lehnte er solche Werte als altmodisch ab.

 

Bettina, seine letzte Freundin, hatte ihn wegen ihrer Jugend und Unschuld gelockt. Sie war von einer strengen Erziehung geprägt und sehr romantisch. Ihr bedeuteten Worte wie Liebe und Treue mehr als Reichtum und Erfolg. Darum schien sie ihm wie ein Relikt aus einer anderen Zeit und ihre scheinbare Unnahbarkeit reizte seine Jägerleidenschaft.

 

Die Begeisterung aber, ein unreifes Mädchen erobert zu haben, währte nicht lange. Heinz war ganz andere Frauen gewohnt und wollte nicht den väterlichen Lehrmeister in Liebesdingen spielen. Ihr Schmachten und ihre kindliche Hingabe mit den vielen kleinen Aufmerksamkeiten waren ihm lästig. Er fand die Gedichtchen, Blümchen und Schokoladeherzchen, mit denen sie ihn meist bei den Verabredungen begrüßte, unerträglich kindisch.

 

Unverblümt teilte er ihr eines Tages mit, wie unreif er sie fand und dass sie ihn sehr bald schon gelangweilt hatte, dass sie eine überflüssige Eroberung für ihn sei, die ihm keinerlei Erfahrungswert bedeute. Dann war er aufgestanden und hatte sie allein im Restaurant sitzen lassen. Es schien ihm so einfach, sie loszuwerden. Schon am selben Abend lag er mit einem anderen Mädchen im Bett, um sich abzulenken.

 

Nun aber ging ihm der Gesichtsausdruck, mit dem Bettina seinen Worten fassungslos und regelrecht versteinert gelauscht hatte, nicht mehr aus dem Sinn. Wo immer er hinblickte, sah er sie. Je mehr Zeit verging, desto deutlicher prägten sich ihre Züge in sein Gedächtnis ein, die Züge des fassungslosen Erblassens.

 

Der Rest dieser Geschichte ist unter dem Titel "Sichtbar nicht da" beim Verlag united p.c. erschienen, ISBN: 978-3-7103-1618-0

 

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

Fotos:

 

Mit freundlicher

Genehmigung

Pfarre Breitensee,

 

1140 Wien 

 

www.pfarre-breitensee.at  

 

Alle Texte und Grafiken

sind urheberrechtlich

geschützt

Copyright

Karoline Toso

 

FOTOS:

Copyright

Mag. Georg Fröschl,

Pfarre Breitensee

1140 Wien