Jetzt
Es ist jetzt das echte Jetzt, das wirklich wahre.
Jetzter könnte es gar nicht sein, so jetzt war es noch nie.
Und es absorbiert das Gestern und saugt das Morgen auf.
So jetzt soll es mir bleiben, mit seinem lieben Lächeln,
dieses freundliche Jetzt.
Dass ich es gestern übersehen hatte,
nimmt es mir nicht übel.
Dass ich immer nur das Morgen begehrt hatte,
findet es nicht weiter tragisch.
Es ist einfach da und macht mich froh.
Das Jetzt zeigt mir, wie ich nachtragend sein verlerne – endlich!
Das Jetzt zeigt mir, wie ich Sehnsucht als Liebesspiel betrachten kann,
wie erfreulich!
Das Jetzt zeigt mir, dass Ewigkeit meine Vermieterin ist
und meine Schwester und mein ureigenstes Ich.
So ein liebes Jetzt, das Trauliche!
Antworten
Klare Antworten auf alle Lebensfragen
empfinde ich selten als befriedigend.
Antworten, die alles offen lassen und sich zu nichts wirklich bekennen,
empfinde ich wie niesen wollen und nicht können,
wie gähnen wollen und nicht können,
wie unterbrechen kurz vor dem Höhepunkt.
Welche Antworten tun gut?
Oft will ich Antworten, oft würde ich sie brauchen.
Neulich bekam ich eine Antwort, die mir gut tat,
eine Antwort, die gar keine war.
Ich bat um eine Lösung, um ein Zaubermittel,
um Linderung für einen Schmerz des Herzens,
und der Freund sagte:
Lass die Fragen da sein, lass sie sein als Teil deines Lebens.
Schau sie an, ohne etwas von ihnen zu wollen.
Vielleicht offenbaren sie dann ihr Geheimnis
und werden zu Antworten, die gut tun.“

Aneinander vorbei

Es gibt Kinder, die lieben ihre Eltern
und streiten doch oft an ihnen und an sich selbst vorbei.
Es gibt Eltern, die lieben ihre Kinder
und kritisieren doch oft an ihnen und an sich selbst vorbei.
Es gibt Männer, die lieben eine Frau
und verstecken sich doch oft an ihr vorbei.
Es gibt Frauen, die lieben einen Mann
und kokettieren doch oft an ihm vorbei.

Menschen lieben sich selbst, das ist ihre Bestimmung.
Nur so können sie auch andere wahrhaft lieben.
Und doch schauen sie sich oft nicht an,
schauen an sich vorbei, um auf andere zu blicken,
um sich mit anderen zu messen.
So schauen sie an ihrer Liebe vorbei.

Traumgeschenk
Ich schenkte dir die schöne Vase.
Du freutest dich und wusstest doch nicht, was zu tun.
Verlegen stelltest du sie auf eine Kommode.
Dort verstaubte sie.
Einmal kam ich wieder zu dir.
Du stelltest eine Flöte in die Vase.
Ganz von selbst spielte sie die schönsten Melodien.
Wie freuten wir uns beide!
Neue Melodien möchte ich spielen,
neue Freuden mit dir teilen.
Für dich
Für dich würde ich auf jeden Tropfen Alkohol verzichten.
Für dich würde ich nie mehr wieder Süßes essen (fast nie).
Für dich würde ich jeden Tag ganz tüchtig trainieren; Muskeltraining.
Ich würde für dich tausend gescheite Bücher lesen
und alles gründlich putzen, auch die Fenster.
Alles würde ich für dich tun,
alles, um dich glücklich zu sehen.
Nur, leider, willst du gar nichts
von mir.


Der Konflikt


Ich liebe Urlaub.
Doch erst nach dem Urlaub
sehe ich den geliebten Menschen wieder.
Doppeltes Dilemma:
Sehe ich den Geliebten, ist der Urlaub aus.
Habe ich Urlaub, sehe ich den Geliebten nicht.
So kann ich nur Verliererin sein.
Ich entscheide mich für den Gewinn:


In meinem Herzen trage ich die Liebe,
so ist der Liebe immer in mir.
Durch alle Menschen, alle Freuden, alle Traurigkeiten
werde ich an ihn erinnert.
Er lebt in dieser Welt, in meinem Herzen.


In meinem Herzen trage ich die Freude,
so lebt sie stets durch mich; im Urlaub, in der Arbeit,
ja, selbst wenn ich schlafe.


In meinem Herzen trage ich das Glück.
Es spricht davon, dass es nur das Jetzt gibt,
und dass ich alles haben kann im Jetzt,
alles wissen kann im Jetzt.
Es sagt, dass ich in dem Geliebten wohnen kann
im ewigen Jetzt.




Verabredung


Wir treffen einander im Park hinter dem Rathaus“,
sagte ich vergnügt zu meinem Freund.
Wie finde ich den Park?“ fragte er.
Schau auf das Schild, auf dem 'Rathauspark' steht“, antwortete ich.
Zur verabredeten Zeit wartete ich freudig erregt auf den Freund.
Er kam aber nicht, denn er hatte sich eingeprägt:
Schild mit der Aufschrift 'Rathauspark'.
Dort wartete er auf mich und ärgerte sich über meine Abwesenheit.


Gott sagt zu uns: „Ich bin der Ich Bin“.
Er sagt durch Christus:
Ich bin da für dich, finde mich in deinem Herzen, in deinem Sein.“
Und wir suchen ihn in der Geschichte, in Regeln, alten Normen.
Wir wollen ihn im Morgen fixieren und im Gestern festhalten,
außerhalb von uns.
Ein Du, das nicht Beziehung ist, sondern weit weg und fremd.


Wir ärgern uns darüber, dass sich Gott so wenig zeigt.
Still wartet er, freudig erregt auf uns im Garten Eden.




Fokus


Den ganzen Tag lang entwarf der Kopf die Form des Kleides.
Am Abend endlich an der Nähmaschine gings ans Werk.
Das Kleid war fertig.
Erfüllung dieses Tages.


Den ganzen Tag lang grübelte der Kopf über Geschichte und Zeit.
Am Abend endlich nachgeschlagen, nachgelesen, viel verstanden.
Erfüllung dieses Tages.


Den ganzen Tag lang spielte der Mensch mit seinem Kind.
Und das tat er oft.
Erfüllung dieses Lebens auf weiten Strecken.


Den ganzen Tag glücklich lächelnd ohne Denken
den Schmetterlingen zugeschaut,
am nächsten Tag den Krähen,
an anderen dem eigenen Tun und Denken – zugeschaut.
Erfüllung für die Ewigkeit.



Spiegelverkehrt


Links wird zu rechts, vorne wird zu hinten.
Groß wird klein und klein wird groß.
Ganz normal scheint das zu sein,
dabei ist kaum etwas so, wie es scheint.


Kriecht in das Mauseloch, eng und finster.
Dort gibt es keine Spiegelung.
Steigt auf das Dach am Tag,
betrachtet die Wolken.
Dort gibt es keine Spiegelung.
Die Sterne nachts sind manchmal trügerisch
und manchmal Wahrheitsboten.


Wir schauen in die Augen anderer
und spiegeln uns darin und werden Spiegelbilder.
Nur im Herzen lebt die Wahrheit.
Das Herz ist unser Safe, ist unser Tabernakel.
Kein Spiegel ist dort, nur ein Fenster,
durch das man in den Himmel schaut.






Das rechte Maß


Nicht durch Verzicht ergibt sich das rechte Maß
und nicht durch Askese.


Nicht durch Mitleid mit den Armen
ergibt sich das rechte Maß und nicht durch Willensstärke.


Durch Fülle ergibt sich das rechte Maß,
durch liebende Fülle.
Zu lieben bringt alle Lust in dein Sein und alle Freude.
Keine Speise, kein Trank und kein Besitz kommt dem gleich.
Wer liebt, dessen Becher ist randvoll,
da braucht es nichts anderes mehr.
Und der Mensch, dessen Liebe erwidert wird,
erlebt den Himmel.


Die wahre Liebe, die aus sich Sein hervorbringt,
aus lauter überquellender Liebe,
beantwortet all unser Sehnen.
Unser Becher ist randvoll,
unser Tisch überreich gedeckt.



Fußwaschung


Staub wollte ich mir von den Schuhen schütteln.

Nichts von diesem Ort sollte an mir haften bleiben,

denn meine Erwartung wurde hier nicht erfüllt.

Und es war eine gute, edle Erwartung gewesen.


Doch ich kam wieder her,

hatte wieder Staub von hier an den Füßen,

Staub, den ich nicht wollte.


Da bückt sich einer, nimmt meine Füße

und spült sie ab mit klarem Wasser.

Er spült den Kummer ab,

die Enttäuschung falscher Träume.

Liebevoll trocknet er mich und schaut mich an.


Was mich an diesen Ort nun bindet ist kein Staub mehr.

Es ist der Blick des einen, der mich rein macht und reich.




Ein Karfreitag


Dein Schmuck ist dir geraubt, dein Schutz ist weg.

Deine Schönheit ist überschattet,

deine Kraft geschwächt.

Keine Worte können dich erklären,

ausgeliefert bist du dem Spott, den Missinterpretationen.


Wo ist dein Glanz, wo dein strahlendes Erscheinen?

Wo ist die Freude hinverschwunden und die Zuversicht?


Der Schatz in deinem Herzen ist fest verschlossen und begraben.

Du kannst ihn selbst nicht heben.

Doch du kannst vertrauen, hoffen, liebend warten.


Warten, bis die Sonne erste Strahlen sendet,

bis der Morgen graut

und jemand zu dir sagt:

Rabuni!“



 

 

Glücklich

 

Jetzt weiß ich, was es ist, das mich so glücklich macht,

obwohl ich scheinbar leer ausgehe in dieser Liebe.

 

Durch dich, mein Schöner, schwingt mein Herz in höchster Frequenz.

Ich schwebe über allem und bin doch durch dich so sehr in mir,

wie das Gesamtgewicht des Himalaya im Himalaya.

 

Nichts soll mich erschüttern, da ich dich liebe,

nichts mich verwirren, da ich dich liebe.

Alles Wandelbare, Beunruhigende

schwebt wie Nebelschwaden an mir vorbei.

Die Liebe bleibt die selbe.

Sie fordert nichts, sie erfüllt mit Freude.

Die Liebe allein genügt.

 

 

 

Der Geist des Herrn führt uns liebevoll durch Wüsten,

über felsiges Gebiet und durch den Sumpf.

 

Er führt uns auch zärtlich lächelnd

auf wohlig weichem Moos,

über Blumenwiesen und

in sternenklaren Nächten der Liebe.

 

 


Erlösung



Auf Flügeln meiner Sehnsucht kam ich zu dir des Nachts.

Mit den Augen unseres Schweigens sahen wir einander an.

Im Flussbett unserer Hoffnung lächelten wir einander zu.


Im Schoß unseres Todes fanden wir einander

und fanden Erfüllung

und fanden Erlösung

in Liebe.




Bleibe!


Komm, süße Lust, befriede mich!

Komm, süße Freude,

stille meinen Durst an deiner Quelle!

Komm, süßer Friede,

lass mich ruhen an deiner Brust!


Bleibe, süße Liebe,

umfange mich in Ewigkeit.




Innen


Jetzt weiß ich, wo das Licht herkommt;

es kommt von innen.

Wir sind reine Energie, ein Strahlen sind wir.


Jetzt weiß ich, wo das Lächeln herkommt;

es kommt von innen.

Wir sind Wohlwollen

und aus allergrößter Zärtlichkeit sind wir erschaffen.


Jetzt weiß ich, wo der Tod herkommt;

er ist der sanfte Rhythmus in uns.

Harmonisch geleitet er uns zum Ursprung,

weil dort das Ziel ist,

in dem wir leben,

immer.




Eins sein


Wir schwingen als eine Schwingung des Lebens,

die Katze, der Hund, die Mutter, der Vater,

die, ach, so traurige Ferne.

Sie schwingen als eine Schwingung mit mir

und mit allem was ist.

Und schwingen mit unserer Liebe,

die stumm bleibt,

oder schreit,

oder flüstert.


Wir schwingen als mächtiger Glockenklang

zu Ostern ein Halleluja!




Auferstanden


Vergangen ist die Zerstückelung,

vergangen ist die Nacht.

Der Tod hat seine Macht verloren,

vergangen ist der Schmerz.


Auferstanden sind wir zu dem,

was wir in Wahrheit sind

durch den, dem wir angehören

seit Ewigkeit in Ewigkeit.


Wir sind Geist im Geist,

sind Licht im Licht,

sind Leben im Lebendigen.




Der Berg


Wir dachten Inseln zu sein, jeder getrennt und für sich.

So grenzten wir uns voneinander ab.


Dann tauchte jemand tiefer und entdeckte,

dass wir Spitzen sind des einen großen Berges

in der Tiefe.

Je mehr wir uns voneinander abgrenzten,

desto weniger erkannten wir die eigene Ganzheit

und den Reichtum unser aller gemeinsamer Tiefe.


Verschwand eine Spitze, weinten wir um den Verlust,

ohne zu spüren, dass sie sich nur wieder hineingestülpt hatte,

um noch inniger vereint zu sein mit der Ganzheit in der Tiefe.


Wir sind keine Inseln.

Wir sind fröhliche Ausstülpungen einer freundlichen Ganzheit.

Finger sind wir, Zehen, Hände sind wir,

Füße, Arme, Beine, Busen, Bauch, Nase, Mund.

Teile sind wir eines Leibes

und jeder Gedanke unseres Hauptes erfüllt uns mit Leben.




Die Form


Da ich die Form nicht länger achte,

da ich nun in der Ganzheit lebe,

im Geist, der überall ist und in allem,

formlos, grenzenlos,

deswegen darf ich mir die Freiheit nehmen,

dich erkennend deine Form mit höchstem Lob zu preisen,

deine Form als Tempel deines Seins,

deine Form als Tor für die Vereinigung in Liebe.


Die Sprache hier ist unsere Form.

In der Umarmung jubeln wir

mit Engelszungen.





Abbild


Zu lieben ist die einzige Wahrheit, die zählt.

Ich liebe dich so sehr wie mich,

ich liebe mich so sehr wie dich.

Dich zu lieben hat mich erst gelehrt,

mich selbst wahrhaft lieben zu könnnen.


Es lächelt der Schöpfer,

der uns hier zusammenführt.

Er freut sich über diese Einheit,

über diese Ganzheit

als Sein Abbild in Liebe.



Stören


Wer meine Ruhe stört, soll mir keine Unruhe bescheren.

Vielmehr löse ich mich auf wie Nebel in der Sonne.

Kein Störer soll meiner habhaft werden.


Wer meine Stille stört, bringt mir nicht den Lärm.

Vielmehr wende ich mich ab von ihm

und wende mich der schönen Stille nur noch inniger zu.


Wer meine Liebe stört, verstärkt sie nur

und sieht nicht, dass ich Gold anbiete

mit offenen Händen und offenem Herzen.

Leer wird ausgehen, wer meine Liebe stört.

Reich bleibe ich zurück.





Frieden


Es stürmt rings ums Haus,

gewaltig tobt das Leben.

Hier drinnen aber, hier bei mir,

im weiten Raum der Riten ist Ruhe, Stille.

Aufatmen ist hier, Frieden tanken

mit jedem Atemzug.


Das kleine rote Licht ruft zärtlich.

Die goldene Tür sagt:

Himmel ist zu finden in diesem Raum.

Das Reich der Gegensätze,

das unsere Einheit trennt

findet Ganzheit, entgültiges Ausseufzen,

Frieden.


Der Friede ist mit uns.

Wir sind in ihm.





Hingabe


Ich gebe mich dir hin ganz und gar,

indem ich von dir weiche, meinen Blick senke,

dich nicht anschaue.


Ich lasse dich sein dort wo du bist.

Möge es sein, wie es dir gut tut!

Das wünsche ich dir.


Ich gebe mich dir hin ganz und gar,

indem ich nicht mehr warte,

nicht mehr hoffe,

nichts mehr möchte von dir.


Ich lasse dich strahlen, blühen, gedeihen

dort wo du bist,

ohne mein Zutun,

ohne mein Wollen.

Möge es Frieden sein für dich.

Mögest du eins sein mit deiner Mitte.


Ich gebe mich hin ganz und gar

indem ich Sonne bin und strahle,

indem ich Wasser bin und fließe,

indem ich Nacht bin und berge.


Dir wünsche ich Wärme und Licht.

Dir wünsche ich Erfrischung und Leben.

Dir wünsche ich Geborgenheit und Frieden.


Luft zum Atmen wünsche ich uns beiden,

den allumfassenden Hauch der Liebe.




In deine Hände


In deine Hände, Herr, lege ich voll Vertrauen meine Liebe.

Du hast sie mir ins Herz geschrieben,

du hast mich damit reich beschenkt.


Walte nun über meine Burg, meinen Garten,

über die Tiefen meiner Gewässer.


Bestrebungen von mir sind eitel.

Sie bleiben an der Dornenhecke hängen,

die das edle Schloss des Geliebten schützt.


Kein Schwert soll diese Dornen öffnen,

keine List und kein Zauberspruch.


Dein weises Walten, Gott,

lässt mich dereinst den Kuss genießen,

der unser beider Glück bedeutet.


In deine Hände, Herr, lege ich voll Vertrauen meine Liebe.



Vielgestaltig


Vielgestaltig will ich dich nennen, Herr,

da du mir in so vielerlei Weise immer begegnest.

Doch Gestalt und Form, konkrete Namen und klare Grenzen

sind das Gegenteil von dir.


Deine Ordnung ist perfekt,

weil sie selbst in der Unendlichkeit da ist

und im Alltag da ist und nicht einengt

durch menschliche Perfektion.

Es ist Ordnung, die befreit.


Deine Zuwendung, Herr, ist umfassend,

sie lässt jeden sein nach seinem Maß.

Und doch gibt sie einen Rahmen vor für uns, deine Kinder,

damit wir uns nicht verirren in unserer Freiheit.


Dein Ruf an uns hebt unseren Mut und hilft uns,

Großes zu vollbringen, wissend,

dass alles aus deiner Quelle fließt.

Nicht der Bauer lässt die Früchte reifen,

doch er hilft deiner Schöpfung zu gedeihen.


Wir trinken deinen Blick, du guter Gott,

und erfreuen uns deiner Zärtlichkeit.

Ich bin geborgen und erhoben in dir.




Glockenschwung


Das gemeinsame Schwingen ist ein Schleuderprozess.

Wir schwingen auf der riesigen Glockenschaukel

und jauchzen mit dem gewaltigen Ton, der anregt

und gleichzeitig Stille ist; wohltuend, beruhigend.


Mit jedem Hin und Her schleudert es Trauriges weg,

Kränkendes weg; Scham und Enttäuschung schleudern weg.


Die Mutter jauchzt mit mir, der Großvater,

Tiere jauchzen und mein liebes Kinderich.

Es jauchzt die ferne Traurige,

die mir fröhlich zulächelt und nicht mehr traurig ist.

Sie kann so stolz auf sich sein!


Es jauchzen sogar jene, dessen Leid Jahrtausende

unser Gemüt verdüstern wird.

Hier auf der Glocke jauchzen sie mit mir.




Dein Licht


Ich denke an dich und wünsche dir Gutes.

Viel inniger liebe ich dich,

wenn ich nicht einmal an dich denke,

denn ich weiß dich in meinem Herzen.


Ich denke an dich und freue mich, wenn ich dich sehe.

Viel inniger liebe ich dich,

wenn ich dich schaue, immer, in meinem Herzen.


Ich denke an dich und freue mich über deine Worte.

Viel inniger liebe ich dich,

wenn ich glücklich schweige angesichts deines Seins,

wenn ich mit dir schweige, wo immer du auch bist.


Im großen Schweigen hat Gott mein Herz für dich geöffnet.

Im Dunkel meines Glaubens hat ER mir dein Licht gezeigt.




Sünde


Abgesondert von der Ganzheit fühle ich mich fragil.

Abgesondert von meiner eigenen Ganzheit fließt nichts von selbst;

alles muss ich selber fließend machen.

Das ist mühsam.

Es ist, als müsste ich mich ums Atmen,

um den Blutkreislauf, um die Erneuerung der Zellen

und den Herzschlag selber kümmern.


So wirkt das Leben, wirkt der Alltag,

wirken Begegnungen, Beziehungen,

wenn der Mensch abgesondert

von der beruhigenden, wohltuenden lieben Ganzheit lebt.


Abgesondert – in Sünde also – lebe ich,

wenn ich nachtragend bin, weil mich jemand kränkte

vor Jahren oder gestern.


Abgesondert – in Sünde also – lebe ich,

wenn ich gierig raffe aus Sorge zu kurz zu kommen.


Abgesondert – in Sünde also – lebe ich,

wenn mir jemand das Herz ausschüttet

und ich genervt Minuten zähle.


Abgesondert von meiner schönen Mitte lebe ich,

wenn ich allen alles gönne, außer mir selbst,

weil ich ja so gut bin und so lieb und nett.


Weit weg von meiner Mitte bin ich,

wenn nicht ich mir meine erste Liebe bin.


Ich will allen alles Liebe gönnen,

weil ich es mir auch selber wert bin.

Ich will in meiner Mitte glücklich sein.

Gott wartet da auf mich

mit seinem Lächeln der Liebe.



Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

Fotos:

 

Mit freundlicher

Genehmigung

Pfarre Breitensee,

 

1140 Wien 

 

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Pfarre Breitensee

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