Der Mann im Harnisch

 

Es war einmal ein lieber Mann. Er wollte gut sein und bemühte sich sehr. Zu allen Menschen war er freundlich und geduldig. Er war ordentlich, fleißig und gewissenhaft. Jeder wusste: das ist ein guter Mensch. Manchmal fand der Mann es traurig, dass er kein Schmetterling war, der unbeschwert das Sonnenlicht und die schönen Blumen genießen konnte. Er wäre auch gerne ein Adler, der mit weiten Schwingen majestätisch hoch oben am Himmel dahin gleitet. Doch den Mann beengte ein Harnisch, den er sich in der Jugend umgebunden hatte. Zwar wusste er nicht genau, wovor er sich damit schützte, aber er dachte: sicher ist sicher.

 

 

Eines Tages begegnete ihm eine Katze. Sie war weich und witzig, spielte übermütig mit seinen Gedanken und Werten, schmiegte sich schnurrend an ihn und versuchte nach und nach den Harnisch weich zu kratzen. Da fühlte sich der Mann bedroht und in seiner Ernsthaftigkeit verletzt. Darum jagte er die Katze wieder weg. 

 

Der Mann im Licht

 

Es war einmal ein Mann. Er dachte nicht viel nach, sondern erlebte lieber. Alles was er sah, erlebte er ganz stark innerlich und bewahrte es im Herzen. Da er Schönes mochte, schaute er nur Schönes an. Darum sah und bewahrte er das Schöne im Herzen: den Regenbogen, über den er staunte, das Vogelgezwitscher, über das er sich so freute, den Morgentau, der ihn erfrischte oder Kinderlachen, das ihn selbst zum Kind werden ließ.

 

Eines Tages begegnete ihm eine Katze. Er mochte sie sofort, denn sie war weich und anschmiegsam. Sie war auch witzig und übermütig, darum hatten beide viel Spaß miteinander. „Besuche mich oft, ich mag dich!“ bat der Mann. Die Katze freute sich darüber und sagte: „Gerne! Ich mag dich auch!“

 

 

Mit jedem Tag etwas mehr Weisheit,

noch mehr Dankbarkeit –

welch schönes Altern!

 

 

 

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